Montag, 15. März 2010
Wenn man einfach nur schlafen möchte.
»Beeeep, beeeeeeeeeep, beep, beep, beep«, schrillt meine penetrant beepende Klingel mir erneut ins Schlafzimmer zu. Ich spüre, dass mir innerlich gleich der Kragen platzt. An meinem Hals pulsiert eine dicke Ader, die eben noch nicht pulsierte. Für einen Moment stelle ich mir vor, wie ich die Treppe hinuntergehe, »Ahaaaa« schreiend die Tür aufreiße und den Witzbold in guter alter Al-Bundy-Manier mit der Nase gegen den Türrahmen ramme, bis sie platt ist wie ein Eierkuchen. Recht, ist recht! Doch dann gesellt sich zum Beepen ein »Bam bam bam«. Oha, da trommelt jemand gegen die Tür, stelle ich latent schockiert fest. Gut, jetzt bin ich tatsächlich wach, denn dieser jemand hämmert nicht etwa gegen die Hauseingangstür, dass fast der Putz von der Wand bröckelt, sondern gegen meine geliebte Wohnungstür. Gegen das Tor ins wahrhaftige Paradies, wo man nicht dafür bestraft wird, wenn man sich beim Frühstücken den Hintern mit der noch freien Hand kratzt. Oder mit einer Gabel. Oder- ach, lassen wir das.
Wütend und grummelnd, schwinge ich meine müden Treter auf den kalten Boden der Tatsachen. Mein Herz wummert wütend im Staccato, und ich wäge gerade ab, ob ich dem vermeintlichen Einbrecher, der da vor meiner Tür lauert und polternd wie beepend um Einlass zum zünftigen Raub bittet, das Käsemesser in den Bauch oder doch lieber den leichter zu handhabenden Obstschäler in den Hals rammen soll. Da ich müde und somit träge bin, entscheide ich mich spontan für den Obstschäler. Doch dann, noch während ich auf dem Weg zur Küchenschublade mit den Messern bin, nimmt mein immer noch verklebtes und einzig offenes Auge vage wahr, dass draußen hinterm Fenster eine Sirene flackert. Also schlurfe ich mit am Boden festklebenden Füßen zum Fenster hinüber und werfe einen verklebten Blick auf die Straße. Feuerwehr!
Och nee, hier brennt es scheinbar, stellt der Blitzmerker in mir fest. Das erklärt auch den beißenden Geruch, der mir in die Nase sticht und offensichtlich weder von meinen Füßen noch von anderen eventuell vernachlässigten Körperteilen zu mir heraufströmt, um mir das gestutzte Nasenhaar nachhaltig zu verätzen. Meine Güte, ich bin einfach nicht zum Überleben gemacht! Über mich selbst schimpfend, werfe ich mir den überhaupt nicht modischen, weil orangefarbenen Morgenmantel über, da der immer noch besser ist als ein verstörendes Adamskostüm, stülpe meine Füße in modisch weitaus gangbarere Adiletten und verlasse entnervt die Wohnung.
Oha, keiner mehr im Hausflur, stelle ich fest. Da ging man scheinbar davon aus, dass niemand in der Wohnung ist, wenn auch nach dem zehnten Klingeln und Hämmern nicht geöffnet wird und auch sonst niemand panisch keift. Die kennen solche Schnarchnasen wie mich offenbar nicht. Noch bevor ich, unten angekommen, auf den vom Löschwasser eingenässten Gehweg hinausstolpere, ärgere ich mich schon über den verdreckten Hausflur, den ich doch erst kürzlich gewischt hatte! Doch, es hilft nichts, ich gehe eben weiter. Mein Haar steht wahrscheinlich in typischer Schlagseite nach links ab, und generell würde man mich mit meinem schaurigen Aussehen wohl in keinen Nachtclub mehr lassen, als ein Feuerwehrmann meinen zombiehaft wankenden Schlafkadaver entdeckt und auf mich zukommt.
»Was ist denn hier los?«, frage ich den Herrn in Rettungskluft mit meiner belegten Schlafstimme. Wie immer klinge ich, als hätte ich den Schnaps gerade eben erst zur Seite gestellt. Der freundliche Mann weist mich darauf hin, dass es gebrannt habe. Aha. In der Kneipe im Erdgeschoss. Mh, ja. Aber das Feuer sei schon gelöscht. Fein, fein. Ob ich denn Rauch in der Wohnung hätte, fragt er dann so pflichtbewusst, dass ich mich sofort watteweich behütet fühle. »Nö«, sage und meine ich, schließlich hält sich der beißende Geruch in meinen trauten vier Wänden in Grenzen. Darauf schenkt der gute Herr Watteweich mir ein verstehendes Nicken und meint, ich könne in diesem Fall gern auch wieder in die Wohnung zurückgehen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und mache augenblicklich kehrt!
Ohne weitere Worte gehe ich also ins Haus zurück, schmeiße die Tür hinter mir zu, lege mich ins Bett und ziehe, fluchend wie ein Droschkenkutscher, die Decke bis über meine Ohren, damit ich den nervtötenden Motor des exorbitant lauten Löschfahrzeugs nur noch gedämpft ertragen muss. Gedämpft. Gedämpft ist immer gut, denke ich und dämmere fast schon wieder hinfort. Hinfort in gedämpfte Welten. In eine Welt, in der gedämpfte Prinzessinnen hinter ungedämpft achterbahnartigen U-Bahn-Strecken auf mich warten, um mich im hübschen Kleidchen zu verspotten. Am nächsten Morgen werde ich den skurrilen Traum übrigens auf den Rauchgeruch schieben. Verdammt noch mal, wieder nichts mit Ruhe und Erholung! Und so etwas passiert eine Woche, bevor ich ausziehe. Wenn's kommt, dann dicke! Und nicht nur als Butter aufs Brot. Ach... Leia Mais…
Donnerstag, 11. März 2010
Ich komm zum Ende.
Tja, nun ist es also soweit. Ich sitze auf meinem Schreibtischstuhl, starre in den Monitor und muss doch daran denken, dass ich morgen ja meinen letzten Arbeitstag hier in Bonn verbringen werde. Wird sicherlich wenig vergnüglich, denn dazu waren die letzten Jahre zu wenig unschön. Ach, damals zu Stuttgarter Zeiten, da war's doch anders. Da wär ich bei der Abreise am liebsten am Ortsschild ausgestiegen und hätte noch mal meine Blase... Ach, lassen wir das.
Jedenfalls wabert gerade eine seltsam gedrückte Stimmung hier im Zimmer, und das liegt nicht an mangelhafter Lüftung [was nicht heißen soll, dass ich nicht mangelhaft lüfte]. Hm, ich glaube, das letzte Mal verspürte ich ein ähnlich eindringliches Gefühl, als ich in grauer Vorzeit, das heißt vor ungefähr sechs Jahren, den Abend vor meinem letzten Schultag genoss. Ich saß vor dem Fernseher, trank genüsslich ein kaltes Radler und schwelgte irgendwo zwischen Trauer und Vorfreude auf das, was da so auf mich zukommen würde. Nebenher hörte ich in der Dauerschleife »Friss oder stirb« von den Toten Hosen. Ob ich das jetzt auch tun sollte? Ich versuch's mal...
Link:
[Ach ja, und ich weiß natürlich, dass ich in letzter Zeit verdächtig oft über meine Wenigkeit fabuliere. Das wird sicher wieder besser, nur hab ich im Moment irgendwie keinen Nerv, mich dauerhaft über die Belange der Welt zu ärgern - sieht man mal davon ab, dass es ja zum guten Ton gehört, sich wenigstens einmal pro Tag über Guido Westerwelle zu amüsieren.] Leia Mais…
Montag, 8. März 2010
Manchmal kommt's dann doch anders.
Es geschehen mitunter schon seltsame Dinge. So wie heute etwa. Da sitze ich so mir nichts, dir nichts auf meinem höhenverstellbaren Drehstuhl, starre auf mein digitales Urlaubskonto und meine, mich gewaltig zu irren. Gibt es doch der Herr den Seinen im Schlaf und ab und an offenbar auch versehentlich dem Rest, denn so ziemlich unerwartet habe ich noch viel mehr Urlaub übrig, als ich eigentlich in den Wirren meines momentan einem Resonanzkörper ähnlichen Denkapparates ausgerechnet hatte. Kurz gesagt, ich scheide eine Woche früher aus dem aktiven Bonner Arbeitsleben aus. Sachen gibt's, die gibt's nicht! Macht insofern nichts, da es hier genug für mich zu schrauben gibt, so dass Langeweile gewiss nicht aufkommen wird.
Aber ach, jetzt packt mich doch glatt die Wehmut. So sehr, dass ich mich heute dabei erwischt habe, eigentlich gar nicht so recht Feierabend machen zu wollen. Es ist doch skurril: Da hält man sich für einen Gefühlskrüppel sondergleichen muss sich dennoch eingestehen, dass es Zeiten gibt, in denen man ein kleines symbolischen Tränchen von der eisgekühlten Wange wischen möchte. Ach.
Freitag, 5. März 2010
Operation Berlin - Teil II.
Was lange währt, wird endlich gut? Na ja, vielleicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich vor Optimismus nun nicht eben strotze. Die Erfahrung gibt da wohl Recht. Ahem. Dennoch will ich einfach mal in die Runde werfen, dass ich nun also doch eine Wohnung gefunden habe. Alles etwas knapp zwar, aber knapp bemessen ist bei mir von der Körpergröße bis zum Sozialleben ja so ziemlich alles.
Wie dem auch sei, spätestens mit diesem Blog weiß jeder Bescheid. Und wer mich morgen noch fragt, ob ich denn nun endlich vier Wände plus Dach für mich gefunden habe oder ob an einer gut gewählten Berliner Brücke demnächst ein Briefkasten hängt, der hat dieses Blog offensichtlich nicht gelesen und ist somit nicht mein Freund. Basta. Na gut, wollen mal nicht so sein. Jedenfalls geht's voran, und das ist gut. Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Oder auch: Den PhanThomas in seinem Lauf, hält weder Ochs' noch Esel auf. Uh!
Dienstag, 2. März 2010
Fragen an PhanThomas... und die Antworten.
Ach, zwischenzeitlich hat sich ja doch so einiges in meinem kleinen [Formspring-Account] angesammelt. Da ich gleichermaßen ein fleißiges Kerlchen wie auch ein rabiater Hund bin, hab ich natürlich auch jeden Käse beantwortet, zu dem ich befragt wurde. Durchdacht? Natürlich. Wahrheitsgemäß? Mitnichten. Wer also Langeweile hat, der möge sich meinetwegen an meinen Antworten gütlich tun...
Samstag, 27. Februar 2010
Hinter sich lassen.
Weil meine Befindlichkeit irgendwie gerade ungefähr da logiert, wo der Gehörnte sich über dem Fegefeuer die Hände reibt, lasse ich das Herumgeschwalle heute einfach bleiben und werfe stattdessen ein wenig Hörbares unter die Massen. Heute beim Joggen kramte ich doch mal wieder meine letztjährige Marathon-Playlist heraus, und da stieß ich auf das gute alte »Leave It Behind« von The Offspring, seinerzeit erschienen auf der grandiosen »Ixnay On The Hombre«, ihrem ganz klar besten Album. Hab ich das alles schon mal erwähnt? Ach, okay, hier isses...
Hier noch mal als 8-Bit-Version, was ich irgendwie ein wenig nerdy und doch recht cool finde:
Mittwoch, 24. Februar 2010
Operation Berlin - Teil I.
Meine Güte, warum ist das so eklig kompliziert, in die Hauptstadt zu ziehen? Wenn man versucht, dort 'ne Wohnung zu bekommen, verlangen sie so ungeheuer viele Unterlagen vom mietwilligen Probanden, dass es mich nicht mehr wundern würde, wenn sie einen Scan meiner zuletzt getragenen Unterhosen haben wollten. Gibt es etwa so viel arme Menschen in Berlin, die noch ärmere Vermieter nach Strich und Faden ausnehmen und abzocken? Ich versteh's nicht so recht.
Als ich seinerzeit in der späten Steinzeit nach Bonn zu ziehen gedachte, war das irgendwie einfacher. Wenig Papierkram, wenig Gerede, wenig los. Generell war hier alles ein wenig einfacher zu managen. Bringen größere Städte automatisch größeren Größenwahn und größeren Wahnsinn mit sich? Werde ich demnächst dann auch so unerträglich? Und warum liegt hier eigentlich Stroh? Fragen über Fragen, die mir niemand beantworten möchte. Ach.








