Inselfieber (Teil 3): Sassnitz – Grauer Osten

Im Urlaub kann man sich – speziell im Herbst – das Wetter nicht immer aussuchen. Manchmal ist es schön, manchmal halt gar nicht. Und so fanden wir auf unserem Ausflug in den Ort Sassnitz eben alles grau in grau vor. Dort angekommen war dieses Einheitsgrau erst einmal gar nicht so unpassend: Speziell der Bereich um den Busbahnhof herum versprüht irgendwie ziemlichen Post-Wende-Charme. Schade war’s trotzdem, denn eigentlich wollte ich unbedingt den Leuchtturm dort in schönem Licht fotografieren, aber dazu gleich mehr.

Hafenromantik in Sassnitz

Dass Sassnitz deutlich mehr zu bieten hat als Klischeetristesse, sieht man, sobald man in den Hafen kommt. Hier gibt’s nicht nur Fischkutter, sondern sogar ein waschechtes U-Boot: Die H.M.S Otus ist ein U-Boot-Museum, das man für etwas Geld besichtigen kann. Da wir daran aber nicht wirklich interessiert waren, sparten wir uns das und erkundeten in Ruhe den Hafen.

Ich konnte dabei meine vor einiger Zeit erworbene neue Festbrennweite ein wenig testen: Das Olympus M.Zuiko 25mm f1.8. Durch den Crop-Faktor von 2, den MFT-Sensoren nun mal haben, hat das Objektiv auf Kleinbild umgerechnet 50mm Brennweite. Ein »Nifty-Fifty« also; das Objektiv, das jeder als erstes kauft oder kaufen soll. Ich habe es halt, nun ja, eben etwas später in meinen Fundus aufgenommen. Und bei dem scheußlichen Licht konnte es auch direkt mal zeigen, was es so draufhat.

Die H.M.S. OTUS
Im Sassnitzer Hafen ruht die H.M.S OTUS, ein britisches U-Boot.
Sassnitz: Fast alles grau in grau
Es war gar nicht leicht, bei diesem Wetter Fotos zu machen, die nicht nur nach grauer Suppe aussahen. Hier und da durften Farbkleckse nicht fehlen.
Boote überall
Boot- und Schifffans kommen in Sassnitz auf ihre Kosten.
Möwen in Sassnitz
Auch in Sassnitz durften die Möwen natürlich nicht fehlen. Die waren mitunter fast schon zu zutraulich. 😉

Fisch futtern am Leuchtturm

Vom Leuchtturm in Sassnitz findet man beeindruckende Fotos. Speziell hoher Wellengang bei Minusgraden sorgt dafür, dass das Wasser am Turm gefriert, sodass ein surreal anmutendes Motiv entsteht. Umso enttäuschender war die Kulisse, als wir da waren. Keine Abendsonne, keine blaue Stunde, einfach nur ein grüner Leuchtturm in grauer Suppe bei leichtem Wellengang.

Leuchtturm in Sassnitz von der Mole aus
Um zum Leuchtturm zu kommen, muss man vom Sassnitzer Hafen aus über die recht lange Mole laufen.
Leuchtturm in Sassnnitz
Das Licht war Mist, da halfen auch führende Linien im Bild nur wenig.

Um überhaupt zum Leuchtturm zu kommen, ist einiges an Wegstrecke zurückzulegen. Der Turm befindet sich am Ende einer langen Mole, über die ein Weg führt. Direkt an der Mole festgemacht waren diverse Boote, so auch ein schwimmendes Fischrestaurant: die MS Manfred. Hier kann man bei schönem Wetter auf und an miesen Tagen unter Deck essen. Ich versuche seit einiger Zeit, weniger Fleisch zu essen, was auf Rügen gar nicht so leicht ist. Fisch gibt es überall, Vegetarisches eher nicht so, so auch auf der MS Manfred. Wer damit kein Problem hat, sollte hier unbedingt Pause machen. Die Menüs sind riesig und dennoch sehr preiswert und wirklich lecker (die Bratkartoffeln waren ein Traum).

Möwen, Kormorane und Schwäne

Frisch gestärkt beschlossen wir, uns den Ort noch etwas anzuschauen. Rein fotografisch war das auch bei schlechtem Wetter unerwartet lohnenswert. Auf einem kleinen abgesperrten Pier hatten sich Möwen und Kormorane versammelt und gaben ein hervorragendes Motiv ab. Der graue Himmel und die flaue Lichtstimmung harmonierten damit wunderbar.

Möwen und Kormorane
Als hätten sich die Möwen und Kormorane extra fürs Foto aufgereiht.
Möwen und Kormorane 2
Vielleicht sogar mein Lieblingsfoto des Urlaubs. Eigentlich eine Langzeitbelichtung, habe ich eine kurze Belichtung darübergelegt, damit die Vögel scharf abgebildet sind.
Sassnitz: Blick aus der Ferne
Der Pier mit den Vögeln aus einiger Entfernung. Hier wirkt die Ostsee fast wie ein Schwimmbecken.

Folgt man dem Uferpfad, kommt man an einem sehr skurrilen Gebäude vorbei: der sogenannten Kurmuschel von Ulrich Müther, einem Musikpavillon. Auf den ersten Blick hielt ich das Ding, ehrlich gesagt, für ein extravagantes Klo.

Kurmuschel von Ulrich Müther
Die Kurmuschel von Ulrich Müther, aufgenommen mit dem Laowa 7,5mm.

Wenn man Sassnitz in Richtung Nordost folgt, ist man auch schon wieder auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit: dem Nationalpark Jasmund. Diesen wollten wir uns für einen anderen Tag aufheben, dennoch spazierten wir schon mal etwas am Strand entlang. Auch hier lohnte sich bei schlechtem Wetter die kleine Extratour, denn wir bekamen noch so einige Schwäne zu sehen. Davon gibt es auf Rügen überhaupt ausgesprochen viele. Man trifft sie meist nicht mal nur in Paaren, sondern in großen Gruppen. Zum Glück, muss man sagen, denn leider wird, wie ich beim Recherchieren erfahren habe, auch oft Jagd auf die Tiere gemacht. Auf Rügen fallen hunderte Schwäne pro Jahr sinnlosen Vogeljagden aus »Spaß« zum Opfer.

Strand hinter Sassnitz
Folgt man dem Steinstrand hinter Sassnitz, kommt man zu Nationalpark Jasmund mit seinen Kreidefelsen.
Strandmonster
Die mit Algen bewachsenen Äste sehen aus wie die Arme eines Seemonsters.
Schwan in Sassnitz
Ein stimmungsvolles Bild, wie ich finde. Die Ostsee hatte tatsächlich diese Farbe.
Schwan auf Rügen 2
Der Wellengang macht den so ruhigen Tieren nichts aus.
Schwäne in Sassnitz
Mit etwas Ruhe und einer Telebrennweite konnte ich mich den Schwänen gut nähern.
Möwe im Wellengang
auch Möwen hatten mit den Wellen zu kämpfen. War lustig anzuschauen und auch der Möwe schien das Geschaukel zu gefallen.
Möwe im Wellengang 2
Hier und da mussten dann aber doch mal die Flügel zur Hilfe genommen werden.

Inselfieber (Teil 1): Binz auf Rügen

Nach dem langen, wieder viel zu warmen und trockenen Sommer hatten wir Lust, mal wieder Urlaub auf einer Insel zu machen. Rauer Wind, Meeresrauschen, kühle Luft – im Hitzesommer eine paradiesische Vorstellung! Da wir zuletzt auf Sylt waren und es dort sehr schön fanden, dachten wir, nehmen wir uns dieses Mal Deutschlands angeblich schönste Insel vor: Rügen. Natürlich reisten wir in der Nebensaison, schließlich haben wir keine Kinder und müssen daher nicht auf Ferien und Co. Rücksicht nehmen. Als Domizil und »Home Base« für Ausflüge suchten wir uns Binz aus – zugegeben auch in der Nebensaison nicht eben die leerste Stadt, aber das wussten wir vorher.

Binz hat so ein wenig das Problem, dass der Ort, wenn man nicht gerade über die Strandpromenade schlendert, wenig »inselig« wirkt. Viele der Häuser versprühen noch leichten Post-DDR-Charme und weil alles deutlich größer ist als auf Sylt, ist das Meer nicht gerade omnipräsent. Man kommt entsprechend schlecht ins Inselfeeling, weil alles so »normal« wirkt – von den vielen Möwen abgesehen. Klarer Punkt für Sylt, wenn man schon vergleichen möchte. Kein Wunder, dass die Ärzte einst »Westerland« besangen und nicht »Binz«. 😉

Möwen in Binz
Möwen gibt es hier natürlich überall.
Möwen in Binz
Die Vögel sind ausgesprochen zutraulich. Vermutlich könnte man sie direkt aus der Hand füttern.

Fotografieren am Strand von Binz

Binz liegt im Norden der Insel Rügen, entsprechend sind fotografisch gesehen nur schwierig schöne Gegenlichtsituationen möglich, es sei denn, man steht sehr, sehr früh auf: Dann hat man vom Strand aus mit Blick in Richtung Osten den Sonnenaufgang direkt vor sich. Wie so oft hatte ich natürlich auch wieder mal kein Glück mit den Wolken: Entweder war der Himmel komplett bedeckt oder völlig wolkenfrei. Aber da wir ja nicht auf Fotoreise waren, musste ich das Beste draus machen. Direkt an der Strandpromenade habe ich entsprechend am ersten Abend die Spots abgeklappert, die vermutlich jeder hier »knipst«.

Zahme Möwen
Man fühlt sich regelrecht beobachtet von den Tieren.
Binz: Blick über den Strand
Im Abendlicht wirkt die Seebrücke recht atmosphärisch.
Binz: Müther-Turm
Praktisch am Bloggen ist ja, dass man hinterher nachschauen muss, wie der Kram, den man da abgelichtet hat, überhaupt heißt. Am Müther-Turm fand an diesem Abend irgendein Event statt.
Binz: Boot im Abendlicht
Manche Dinge stehen vermutlich nur am Strand, damit Touristen sie fotografieren können – so wie dieses Boot.

Schwieriges (grünes) Licht

Je später der Abend, desto heftiger die Kontraste zwischen künstlicher Beleuchtung und nächtlicher Dunkelheit. Dies gilt auch in einer kleineren Stadt wie Binz. Um überhaupt einen Stich landen zu können, nehme ich für gewöhnlich dreimal das gleiche Bild mit unterschiedlicher Belichtung auf. So auch hier: Meine beiden Olympus-Kameras bieten die Möglichkeit, hierfür eine Belichtungsreihe aufzunehmen, sodass ich für mehrere Aufnahmen nur einmal auslösen muss. Ein Stativ ist natürlich Pflicht! Hinterher verrechne ich die Fotos in Lightroom zu einem und hole mir so den maximal möglichen Dynamikumfang ins Bild.

Erschwerend kam diesmal hinzu, dass der Weißabgleich im Kunstlicht auf der Binzer Seebrücke bei mir komplett danebengelegen hat. Alle Bilder hatten einen krassen Grünstich, den ich vermutlich durch eine andere Weißabgleicheinstellung hätte entfernen können. Da es schon spät und ich zu faul war, habe ich das hinterher in Lightroom korrigiert. Schon deswegen fotografiere ich IMMER im Raw-Format und nie nur JPEG.

Kurhaus
Das Kurhaus in Binz, das vermutlich jeder fotografiert, der hier vorbeikommt. Wegen der Langzeitbelichtung verschwimmt der Straßenmusiker vorm Tor.
Blick von der Seebrücke auf Binz
Im Abendlicht macht Binz was her. Leider war der Himmel komplett wolkenfrei, dafür aber schön farbig.
Das Kurhaus von der Seebrücke aus
Die Perspektive habe ich zugegenermaßen von einem vor mir fotografierenden Herrn übernommen. Die Aufnahme entstand als HDR aus drei Einzelfotos.