Urlaub in Bad Schandau

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Frei nach diesem Ausspruch dachten meine Freundin und ich, ein kurzer Trip in die Sächsische Schweiz wäre doch eine Überlegung wert. Schnell Google Maps gecheckt, was liegt wo, und irgendwie liegt das Örtchen Bad Schandau ziemlich genau in der Mitte von allem. Zumindest mittig genug, um auch ohne Auto die nähere Umgebung zu erkunden – immer dabei natürlich der Fotorucksack, denn, woah, gibt es dort viel Sehens- und Fotografierenswertes! Weil ich innerhalb einer Woche wirklich viele Bilder gemacht habe, werde ich die Sache ein bisschen aufteilen. Im ersten Teil soll es darum einfach mal um den Ort Bad Schandau an sich gehen.

Von Berlin aus lässt sich Bad Schandau prima per Zug erreichen. Einfach in den Euro City hüpfen und direkt am Zielort wieder raus, ganz ohne Umstieg. Weil mein Geburtstag anstand, überreichte mir meine Freundin auf dem Weg dorthin bereits einen Teil meines Geschenks: Nämlich das »Zielfoto«-Magazin des YouTube-Fotografen Stephan Wiesner (von dem ich einen großen Teil dessen gelernt habe, was ich kann). Die Vorfreude war ohnehin groß, nun war sie eben größer. Diese Ausgabe des Magazins befasst sich speziell mit der Fotografie in der Sächsischen Schweiz. Perfekt, um auf dem Weg also schon mal zu stöbern, was wir uns in den kommenden Tagen alles anschauen würden.

Kein Netz in Bad Schandau

Als wir in Bad Schandau ankamen, erst mal der Schreck: Kein! Internet! Meine Freundin und ich haben E-Netz-Verträge. Leider kann man nicht nur in Bad Schandau, sondern in der ganzen Gegend das mobile Internet komplett vergessen, wenn man bei O2 oder einem der Reseller ist. Wenn überhaupt eine Verbindung zustande kommt, dann so langsam, dass man den Bits und Bytes beim Schlendern zuschauen kann. Daher mein Tipp an alle E-Netzler: Kauft euch vorher eine Karte oder ladet euch eine gute App mit Offline-Karten auf euer Smartphone. Gerade wenn man durchs Gebirge wandert, ist es doch unerlässlich zu wissen, wo man sich befindet – auch wenn alles im Elbsandsteingebirge wirklich gut ausgeschildert ist.

Bad Schandau an sich ist ansonsten ein kleines, feines Örtchen. Vom Bahnhof aus gelangt man per Fähre über die Elbe in den Ortskern. Hier lag auch unsere Ferienwohnung. 2002 wurde Bad Schandau Opfer der Flutkatastrophe. An einigen Häusern sind Schilder angebracht, die den Pegelstand dokumentieren. Der Ortskern lag komplett unter Wasser! Anschließend hat man aber offenbar alles restauriert, sodass heute nichts mehr von der Flut zu sehen ist. Selbst der Altstadtcharme blieb erhalten. Dennoch waren die Schilder sehr eindrücklich.

Fotografieren leicht gemacht

Wer in Bad Schandau fotografieren möchte, hat es nicht allzu schwer. Gerade abends zur »blauen Stunde« im Lichte der Laternen lässt sich die Altstadtstimmung schön einfangen. Ein Stativ ist dann natürlich Pflicht.

Ganz besonders toll lässt sich der Ort vom historischen Personenaufzug aus ablichten. Dieser befindet sich am östlichen Stadtausgang und kann für einen kleinen Obolus für eine Fahrt nach oben verwendet werden, wo übrigens auch ein kleines Luchsgehege auf Besucher wartet. Sparfüchse und sportliche Fotografen gehen alternativ den kleinen Pfad westlich des Aufzugs hoch. Der Aufstieg dauert vielleicht zehn Minuten und ist auch mit Fotorucksack leicht zu bewerkstelligen.

Direkt neben dem Aufzug hat man die beste Sicht auf den Ort. Es war in meinem Fall bereits abends, die Lichter gingen an und die Scheinwerfer der fahrenden Autos versprachen schöne Lichtspuren. Und als das Licht gerade am interessantesten wurde, kam ein Angestellter und machte den Pfad zum Aufzug dicht. »Oh, nun muss ich auch weg, oder?«, fragte ich schon enttäuscht. »Nein, Sie können ruhig bleiben, müssen dann aber über den Zaun klettern.« Super, dachte ich, das würde kein Problem werden. Also konnte ich mich beruhigt wieder an meine Langzeitbelichtung machen. Heraus kamen zwei meiner Lieblingsbilder dieses Urlaubs. Neben meinem Zielfoto, dem Panorama des abendlichen Bad Schandau, war das der Aufzug selbst, der abends herrlich stimmig beleuchtet wird. Die hübschen lila Wölkchen taten in dem Moment ihr Übriges. Das erfreut das Fotografenherz. 🙂

Festbrennweiten? Wozu das denn?

Als ich mit dem Fotografieren anfing, fand ich reine Zoom-Objektive sehr praktisch. Klar, wer seine erste Kamera kauft, bekommt ja üblicherweise auch gleich ein brauchbares Kit-Objektiv dazu. Dieses deckt schon mal den Brennweitenbereich ab, mit dem man anfangs ohnehin fast ausschließlich experimentieren möchte. Festbrennweiten dagegen fand ich lange Zeit wahnsinnig unpraktisch weil unflexibel, sieht man mal von Makroobjektiven ab. Auch heute noch finde ich Zoom-Objektive praktischer und dennoch habe ich mir neulich eine Festbrennweite gekauft.

Festbrennweiten: M.Zuiko 17mm 1:1.8
href=”https://www.phan-thomas.de/wp-content/uploads/2018/08/IMG_4300.jpg”> Macht an der kleinen OM-D E-M10 Mk. II doch einiges her.[/
Das Olympus M.Zuiko 17mm 1:1.8 ist es geworden. Warum dieses? Es ist wahnsinnig klein, wahnsinnig leicht und hat mit F1.8 eine schöne Offenblende, mit der sich auch an einem Micro-Four-Thirds-Sensor freigestellte Motive erzielen lassen. Außerdem sind 17mm an Micro Four Thirds eine sehr praktische Brennweite. Durch den Crop-Faktor kommt man nämlich auf den Bildausschnitt eines 34mm-Objektivs an einer Vollformatkamera – eine sogenannte Reportagebrennweite. Man kann damit immer noch einigermaßen gut Landschaften und Gebäude einfangen, da der Bildausschnitt noch nicht zu eng ist. Gleichzeitig lassen sich Situationen sehr gut im Bild festhalten, bspw. Personen in ihrem aktuellen Umfeld, wenn es eben kein Portrait sein soll. Praktischerweise hat das M.Zuiko 17mm auch einen pfeilschnellen Autofokus sowie einen sehr geschmeidigen Fokusring fürs manuelle Scharfstellen. So macht das Fotografieren definitiv Spaß. Der Preis des Objektivs ist mit über 400 Euro aber definitiv zu hoch fürs Gebotene. Nur so viel, ich hab weniger bezahlt, aber ein Schnäppchen war das Objektiv trotzdem nicht, zumal seine Abbildungsleistung jetzt auch nicht zur absoluten Oberklasse im MFT-Segment zählt. Warum ich es nun aber gekauft habe? Also …

Gute Gründe für Festbrennweiten

  1. Man hört auf, sich seine Welt »zurechtzuzoomen«. Ein Zoom ist ja nicht vorwiegend dazu gedacht, alles näher heranzuholen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, sondern dazu, eine andere Perspektive einzufangen. Mit einer Festbrennweite fällt dieser vermeintliche Komfort weg. Ich musste mir Motive auf der ersten Testtour jedes Mal erarbeiten: Hier ein paar Schritte vor, da ein paar Schritte zurück – die Erfahrung war eine völlig andere als mit einem Standard-Zoom. Ein bisschen frustrierend zu Beginn, aber auch sehr faszinierend zum Schluss.
  2. Sie fördern die Kreativität. In Anbetracht des fehlenden Zooms muss ich mir stets was Neues einfallen lassen, um meine Bilder interessant wirken zu lassen. Statt ständig am Zoom-Ring herumzudrehen, experimentiere ich lieber mit dem Motiv, lasse mir Zeit, lerne dazu.
  3. Dass Festbrennweiten meistens klein und leicht sind – gerade im Vergleich zu ihren Zoom-Geschwistern – habe ich oben ja schon erwähnt. Durch ihre Festlegung auf eine Brennweite sind sie eben keine Kompromisslösungen und können somit meist kompakter gebaut werden.
  4. Sie sind lichtstark. Wie erwähnt, kommt mein M.Zuiko 17mm mit einer Blende von F1.8 daher. Das ist noch mal deutlich mehr als mein eh schon lichtstarkes M.Zuiko 12-40mm Pro, das »nur« eine durchgehende Blende von F2.8 besitzt. (Übrigens gibt es das 17mm sogar noch als F1.2-Variante, aber hier laufen meiner Meinung nach sowohl Gewicht als auch der Preis aus dem Ruder.) Damit ist es für Low-Light-Situationen bestens geeignet, also für kurze Belichtungszeiten mit niedrigem ISO-Wert in dunklen Umgebungen.
  5. Sie haben meist eine bessere Abbildungsleistung als Zoom-Objektive. Das hier erwähnte 17mm-Objektiv gewinnt zwar nicht den Schärfepreis, dennoch ist die Bildqualität tadellos (vor allem die Lichtsterne haben es mir angetan). Und grundsätzlich gilt dieser Punkt eben schon, da Festbrennweiten eben, wie gesagt, keine Kompromisslösungen sind, sondern spezialisiert weil fixiert auf ihre Brennweite.
  6. Sie sind günstig. Okaaay, sie sind nicht günstig. Meines zumindest war nicht günstig. Aber oft sind sie es schon, besonders, wenn man zum Vergleich ein Zoom-Objektiv heranzieht, das bei selber Brennweite eine ähnlich niedrige Offenblende besitzen soll. Gerade im hohen Brennweitenbereich werden die Preise für vergleichbare Zoom-Objektive schnell vierstellig. Daher ist es manchmal lohnenswerter, lieber eine lichtstarke Festbrennweite zu kaufen als ein teures Zoom, das man sowieso meistens nur für dieselben Motivarten verwendet.

Die erste Testtour

Weil ich in letzter Zeit nicht so recht zum Fotografieren kam, war ich schon etwas gefrustet, schließlich wollte ich das neue Objektiv ausgiebig testen. Das Sternspurfoto aus dem letzten Post habe ich zwar auch schon damit aufgenommen, aber dafür habe ich es ja eigentlich nicht gekauft.

Am Sonntag jedoch war endlich etwas Zeit. Ich ließ nichts anbrennen und fuhr also zum Alexanderplatz, um ein paar Testfotos aufzunehmen. In dem Getümmel dort findet sich eigentlich immer was zum »Knipsen« und falls nicht, soll es dort ja diesen komischen Turm geben. Hier also das Resultat. Besonders gefällt mir übrigens der einheitliche Bildlook, der durch die immer gleiche Brennweite entsteht.

Berlin: Spaziergang durchs Regierungsviertel

Bei der aktuellen Hitze fällt es schwer, aktiv zu bleiben. Doch während die Sonne Berlin tagsüber derzeit lähmt, laden die lauen Abende zum einen oder anderen Spaziergang ein. Immer dabei natürlich die Kamera (und rein zufällig ein Stativ *hust*).

Wer Locations in Berlin sucht, wird schnell fündig. Und wer keine Zeit dazu hat, unternimmt einfach einen Abstecher ins Regierungsviertel. Zugegeben, die Fotomotive sind dann nicht wahnsinnig innovativ, aber schön anzusehen sind sie allemal. Netter Nebeneffekt: Wer wie ich schon länger in Berlin lebt, bekommt so die Möglichkeit, sich mal wieder wie einer der vielen Touristen zu fühlen.