Die Schrammsteine

Wer zum ersten Mal im Elbsandsteingebirge unterwegs ist, der muss die Schrammsteine besuchen. Das markante Felsmassiv werden die meisten Landschaftsbegeisterten schon mal auf irgendwelchen Fotos gesehen haben. Es mit eigenen Augen zu erblicken ist aber noch mal eine ganz andere Nummer. 

Besonders an sonnigen Tagen im Herbst, am besten wenn dicke Quellwolken über den Himmel ziehen, bietet sich eine Wandertour zu den sogenannten Schrammsteinaussichten an. Nun hatten wir während unseres Urlaubs nicht immer das beste Wetter, doch gerade am Tag unserer Tour dorthin hatten wir großes Glück.

Fluss und Land

Von Bad Schandau aus erreicht man die Schrammsteine, bzw. die Aussichten auf selbige, recht einfach zu Fuß. Verlasst die Stadt in Richtung Osten und wandert immer die Elbe entlang. Netter Nebeneffekt: An schönen Tagen präsentiert sich auch hier die »Sächsische Schweiz« von ihrer schönsten Seite. Malerische Herbstwälder erstrecken sich entlang der beiden Ufer. Hier und da lassen sich wunderbar restaurierte wie alte Fachwerkhäuser bestaunen.

Irgendwann geht’s links vom Fluss ab in den Zahnsgrund und dann, nach ein paar Höhenmetern auf der Straße ab in den Wald. Geübte Waldfotografen werden hier viel zu tun bekommen, denn der bunte Laubmischwald lädt auf jeden Fall zum Knipsen ein. Ungeübte Waldfotografen (wie ich) können dagegen … üben.

Erst sanft, dann steil bergauf

Wir wanderten lange und fast allein durch die Wälder, doch die Schrammsteine waren noch nirgends zu sehen. Aber nach den ersten sanften Aufstiegen standen wir plötzlich doch vor steilen Felswänden. Und nun pilgerten auch die anderen Wanderer von allein Seiten herbei. Hier mussten wir also richtig sein!

Im Prinzip kann man sich auch gar nicht verlaufen. Die Wanderwege sind bestens ausgeschildert und irgendwann trifft man zwangsweise auf andere Leute, die dasselbe Ziel haben. Wir schlossen uns also an und schon bald geriet der Aufstieg auch etwas ins Stocken: Statt angenehmer Wanderwege wurde es nun teilweise richtig anstrengend. Es ging über abenteuerliche Treppen ohne Geländer und metallene Leitern ziemlich steil bergauf. Wanderschuhe sind ab hier definitiv eine gute Investition.

Augenöffner Schrammsteine

Einen gefühlt ewig andauernden Aufstieg später hatten wir die Schrammsteine endlich vor uns. Da im Elbsandsteingebirge irgendwie alle Felsen aus dem Boden wachsen wie steinerne Pilze, ging es auch von unserer Aussicht aus ziemlich steil abwärts. Zwar sind an den wichtigsten Punkten Geländer angebracht, jedoch auch nicht überall. Wer mit Höhenangst zu kämpfen hat, der sollte wohl etwas Abstand halten. Alle anderen dagegen genießen den Augenöffner, der sich ihnen bietet.

Schrammsteine: Das Zielfoto
Ein wahrer Augenöffner! Wer genau hinschaut, erkennt links auf der Felsnadel wagemutige Bergsteiger – fast noch faszinierender als die Landschaft selbst.

Das krasse Felsmassiv der Schrammsteine schlägt von den Aussichten aus einen Haken durch die bewaldete Landschaft. Etwas ab des Gebirgskamms ragt einzeln der Falkenstein aus dem Boden. Der Sonne-Wolken-Mix überzog die malerische Landschaft mit einem Teppich aus Licht und Schatten, was die bunte Herbstlandschaft besonders schön zur Geltung brachte.

Profifotografen haben jetzt natürlich einen Verlaufsfilter dabei, um die schwierige Lichtsituation zu bewältigen. Alle anderen haben keinen … so wie ich. Trotzdem sind mir viele Aufnahmen gelungen, die ich immer wieder gerne anschaue. Ein gutes Weitwinkelobjektiv gehört aber auf jeden Fall zur Pflichtausstattung, am besten sogar ein Ultra-Weitwinkel. Die 12mm an meiner MFT-Kamera (24mm auf Kleinbild gerechnet) waren da gerade ausreichend. Weniger wäre aber auf jeden Fall mehr gewesen.

Man muss kein Fan der Landschaftsfotografie sein, um sich für dieses Naturkunstwerk begeistern zu können, wie man hoffentlich sieht. Aber als solcher wollte ich mit dem Fotografieren gar nicht mehr aufhören. Meine Freundin war vielleicht schon leicht genervt, ich hätte aber noch gern bis zum Sonnenuntergang weitergemacht. Dann hätten wir allerdings im Dunkeln absteigen müssen – über die erwähnten unheimlichen Treppen und Leitern.

Das war auch mir dann doch nichts und so machten wir uns schließlich wieder an den Abstieg. Immerhin gelang auf dem Rückweg noch ein schönes Landschaftsfoto über die Elbe hinweg:

Schrammsteine: Elbpanorama
Ab und an lohnt ein kleiner Umweg, wenn er solche Panoramen zu Tage fördert.

Urlaub in Bad Schandau

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Frei nach diesem Ausspruch dachten meine Freundin und ich, ein kurzer Trip in die Sächsische Schweiz wäre doch eine Überlegung wert. Schnell Google Maps gecheckt, was liegt wo, und irgendwie liegt das Örtchen Bad Schandau ziemlich genau in der Mitte von allem. Zumindest mittig genug, um auch ohne Auto die nähere Umgebung zu erkunden – immer dabei natürlich der Fotorucksack, denn, woah, gibt es dort viel Sehens- und Fotografierenswertes! Weil ich innerhalb einer Woche wirklich viele Bilder gemacht habe, werde ich die Sache ein bisschen aufteilen. Im ersten Teil soll es darum einfach mal um den Ort Bad Schandau an sich gehen.

Von Berlin aus lässt sich Bad Schandau prima per Zug erreichen. Einfach in den Euro City hüpfen und direkt am Zielort wieder raus, ganz ohne Umstieg. Weil mein Geburtstag anstand, überreichte mir meine Freundin auf dem Weg dorthin bereits einen Teil meines Geschenks: Nämlich das »Zielfoto«-Magazin des YouTube-Fotografen Stephan Wiesner (von dem ich einen großen Teil dessen gelernt habe, was ich kann). Die Vorfreude war ohnehin groß, nun war sie eben größer. Diese Ausgabe des Magazins befasst sich speziell mit der Fotografie in der Sächsischen Schweiz. Perfekt, um auf dem Weg also schon mal zu stöbern, was wir uns in den kommenden Tagen alles anschauen würden.

Kein Netz in Bad Schandau

Als wir in Bad Schandau ankamen, erst mal der Schreck: Kein! Internet! Meine Freundin und ich haben E-Netz-Verträge. Leider kann man nicht nur in Bad Schandau, sondern in der ganzen Gegend das mobile Internet komplett vergessen, wenn man bei O2 oder einem der Reseller ist. Wenn überhaupt eine Verbindung zustande kommt, dann so langsam, dass man den Bits und Bytes beim Schlendern zuschauen kann. Daher mein Tipp an alle E-Netzler: Kauft euch vorher eine Karte oder ladet euch eine gute App mit Offline-Karten auf euer Smartphone. Gerade wenn man durchs Gebirge wandert, ist es doch unerlässlich zu wissen, wo man sich befindet – auch wenn alles im Elbsandsteingebirge wirklich gut ausgeschildert ist.

Bad Schandau an sich ist ansonsten ein kleines, feines Örtchen. Vom Bahnhof aus gelangt man per Fähre über die Elbe in den Ortskern. Hier lag auch unsere Ferienwohnung. 2002 wurde Bad Schandau Opfer der Flutkatastrophe. An einigen Häusern sind Schilder angebracht, die den Pegelstand dokumentieren. Der Ortskern lag komplett unter Wasser! Anschließend hat man aber offenbar alles restauriert, sodass heute nichts mehr von der Flut zu sehen ist. Selbst der Altstadtcharme blieb erhalten. Dennoch waren die Schilder sehr eindrücklich.

Fotografieren leicht gemacht

Wer in Bad Schandau fotografieren möchte, hat es nicht allzu schwer. Gerade abends zur »blauen Stunde« im Lichte der Laternen lässt sich die Altstadtstimmung schön einfangen. Ein Stativ ist dann natürlich Pflicht.

Ganz besonders toll lässt sich der Ort vom historischen Personenaufzug aus ablichten. Dieser befindet sich am östlichen Stadtausgang und kann für einen kleinen Obolus für eine Fahrt nach oben verwendet werden, wo übrigens auch ein kleines Luchsgehege auf Besucher wartet. Sparfüchse und sportliche Fotografen gehen alternativ den kleinen Pfad westlich des Aufzugs hoch. Der Aufstieg dauert vielleicht zehn Minuten und ist auch mit Fotorucksack leicht zu bewerkstelligen.

Direkt neben dem Aufzug hat man die beste Sicht auf den Ort. Es war in meinem Fall bereits abends, die Lichter gingen an und die Scheinwerfer der fahrenden Autos versprachen schöne Lichtspuren. Und als das Licht gerade am interessantesten wurde, kam ein Angestellter und machte den Pfad zum Aufzug dicht. »Oh, nun muss ich auch weg, oder?«, fragte ich schon enttäuscht. »Nein, Sie können ruhig bleiben, müssen dann aber über den Zaun klettern.« Super, dachte ich, das würde kein Problem werden. Also konnte ich mich beruhigt wieder an meine Langzeitbelichtung machen. Heraus kamen zwei meiner Lieblingsbilder dieses Urlaubs. Neben meinem Zielfoto, dem Panorama des abendlichen Bad Schandau, war das der Aufzug selbst, der abends herrlich stimmig beleuchtet wird. Die hübschen lila Wölkchen taten in dem Moment ihr Übriges. Das erfreut das Fotografenherz. 🙂

Sternspuren statt Sternschnuppen

In Berlin haben Hobbyfotografen es nicht leicht, wenn sie in der Perseidennacht auf Sternschnuppenjagd gehen. Die Lichtverschmutzung ist so hoch, dass selbst bei Neumond mit bloßem Auge fast gar keine Sterne zu erkennen sind. Da ich nun aber die Kamera schon parat hatte, dachte ich, versuche ich mich doch an was anderem: Am Fotografieren von Sternspuren nämlich.

Diese bekommt man, wenn man sein Himmelsmotiv (zu) lange belichtet: Statt Sternen hat man wegen der Erddrehung plötzlich kleine Schweife im Bild. Je nach verwendeter Brennweite tritt dieser Effekt früher oder später auf. Faustregel für die Belichtungszeit, wenn man diese Schweife nicht haben will: 500 / Brennweite * Cropfaktor der Kamera.

In meinem Fall wollte ich sie aber haben, also stellte ich die Belichtungszeit auf 30 Sekunden. Genug für mich, um Sternspuren statt nur Sterne einfangen zu können. Da mein verwendetes 17mm-Objektiv (34mm KB-Äquivalent) eine Anfangsblende von F1.8 hat, konnte ich den ISO getrost auf dem niedrigsten Wert belassen (200 in meinem Fall) und musste später nichts entrauschen. Die Kamera nahm so definitiv mehr Sterne auf, als ich mit meinen Augen wahrnehmen konnte.

Gut Sternspur will Weile haben.

Da nun 30 Sekunden aber natürlich noch längst nicht genug sind, um wirklich lange Sternspuren einfangen zu können, muss man ziemlich viele Bilder machen. Meine Olympus OM-D E-M10 hat glücklicherweise einen sehr feinen Modus, der dies für mich übernimmt: Alle 30 Sekunden wird ein Foto aufgenommen. Die Lichtunterschiede werden jeweils nur ins erste Foto »gemalt«. Dies geschieht so lange, bis ich die Aufnahme unterbreche. Ich habe also eine geschlagene Stunde belichtet und kam so wohl auf 120 Einzelfotos für meine Aufnahme. Ganz schön frisch draußen, wenn man so lange herumsteht. 😉 Falls deine Kamera einen solchen Modus übrigens nicht hat, musst du tatsächlich viele, viele Einzelfotos aufnehmen und diese hinterher mit einer Software zusammenfügen. Das geht bspw. mit Photoshop oder mit Startrails. In diesem Fall brauchst du aber unbedingt einen Fernauslöser, um nicht zu verwackeln.

Immer auf den Vordergrund achten

Weil ich nun von der Dachterrasse aus keine besonders schöne Kulisse habe, entschied ich mich, die Hausdächer gegenüber als Vordergrund zu verwenden. Denn wie immer gilt: Ganz ohne Vordergrund sind auch Fotos von Sternspuren relativ langweilig. Mit 30 Sekunden bei Offenblende waren die beleuchteten Fassaden und das Laternenlicht natürlich gnadenlos überbelichtet. Daher nahm ich hinterher ein letztes Bild mit Blende F10 und 10 Sekunden Belichtungszeit auf. Dadurch bekam ich einen hübschen Lichtstern in der Laterne (einen schönen Vordergrund ergibt das alles immer noch nicht, aber immerhin).

Anschließend arbeitete ich die Lichter in Lightroom etwas heraus und fügte beide Bilder in Photoshop zusammen. Dafür maskierte ich die zweite Aufnahme und malte nur die korrekt belichteten Häuser in mein Ursprungsbild.

Sicher kein Jahrhundertfoto, aber für den ersten Versuch, wie ich finde, gar nicht mal so schlecht. 🙂