Inselfieber (Teil 3): Sassnitz – Grauer Osten

Im Urlaub kann man sich – speziell im Herbst – das Wetter nicht immer aussuchen. Manchmal ist es schön, manchmal halt gar nicht. Und so fanden wir auf unserem Ausflug in den Ort Sassnitz eben alles grau in grau vor. Dort angekommen war dieses Einheitsgrau erst einmal gar nicht so unpassend: Speziell der Bereich um den Busbahnhof herum versprüht irgendwie ziemlichen Post-Wende-Charme. Schade war’s trotzdem, denn eigentlich wollte ich unbedingt den Leuchtturm dort in schönem Licht fotografieren, aber dazu gleich mehr.

Hafenromantik in Sassnitz

Dass Sassnitz deutlich mehr zu bieten hat als Klischeetristesse, sieht man, sobald man in den Hafen kommt. Hier gibt’s nicht nur Fischkutter, sondern sogar ein waschechtes U-Boot: Die H.M.S Otus ist ein U-Boot-Museum, das man für etwas Geld besichtigen kann. Da wir daran aber nicht wirklich interessiert waren, sparten wir uns das und erkundeten in Ruhe den Hafen.

Ich konnte dabei meine vor einiger Zeit erworbene neue Festbrennweite ein wenig testen: Das Olympus M.Zuiko 25mm f1.8. Durch den Crop-Faktor von 2, den MFT-Sensoren nun mal haben, hat das Objektiv auf Kleinbild umgerechnet 50mm Brennweite. Ein »Nifty-Fifty« also; das Objektiv, das jeder als erstes kauft oder kaufen soll. Ich habe es halt, nun ja, eben etwas später in meinen Fundus aufgenommen. Und bei dem scheußlichen Licht konnte es auch direkt mal zeigen, was es so draufhat.

Die H.M.S. OTUS
Im Sassnitzer Hafen ruht die H.M.S OTUS, ein britisches U-Boot.
Sassnitz: Fast alles grau in grau
Es war gar nicht leicht, bei diesem Wetter Fotos zu machen, die nicht nur nach grauer Suppe aussahen. Hier und da durften Farbkleckse nicht fehlen.
Boote überall
Boot- und Schifffans kommen in Sassnitz auf ihre Kosten.
Möwen in Sassnitz
Auch in Sassnitz durften die Möwen natürlich nicht fehlen. Die waren mitunter fast schon zu zutraulich. 😉

Fisch futtern am Leuchtturm

Vom Leuchtturm in Sassnitz findet man beeindruckende Fotos. Speziell hoher Wellengang bei Minusgraden sorgt dafür, dass das Wasser am Turm gefriert, sodass ein surreal anmutendes Motiv entsteht. Umso enttäuschender war die Kulisse, als wir da waren. Keine Abendsonne, keine blaue Stunde, einfach nur ein grüner Leuchtturm in grauer Suppe bei leichtem Wellengang.

Leuchtturm in Sassnitz von der Mole aus
Um zum Leuchtturm zu kommen, muss man vom Sassnitzer Hafen aus über die recht lange Mole laufen.
Leuchtturm in Sassnnitz
Das Licht war Mist, da halfen auch führende Linien im Bild nur wenig.

Um überhaupt zum Leuchtturm zu kommen, ist einiges an Wegstrecke zurückzulegen. Der Turm befindet sich am Ende einer langen Mole, über die ein Weg führt. Direkt an der Mole festgemacht waren diverse Boote, so auch ein schwimmendes Fischrestaurant: die MS Manfred. Hier kann man bei schönem Wetter auf und an miesen Tagen unter Deck essen. Ich versuche seit einiger Zeit, weniger Fleisch zu essen, was auf Rügen gar nicht so leicht ist. Fisch gibt es überall, Vegetarisches eher nicht so, so auch auf der MS Manfred. Wer damit kein Problem hat, sollte hier unbedingt Pause machen. Die Menüs sind riesig und dennoch sehr preiswert und wirklich lecker (die Bratkartoffeln waren ein Traum).

Möwen, Kormorane und Schwäne

Frisch gestärkt beschlossen wir, uns den Ort noch etwas anzuschauen. Rein fotografisch war das auch bei schlechtem Wetter unerwartet lohnenswert. Auf einem kleinen abgesperrten Pier hatten sich Möwen und Kormorane versammelt und gaben ein hervorragendes Motiv ab. Der graue Himmel und die flaue Lichtstimmung harmonierten damit wunderbar.

Möwen und Kormorane
Als hätten sich die Möwen und Kormorane extra fürs Foto aufgereiht.
Möwen und Kormorane 2
Vielleicht sogar mein Lieblingsfoto des Urlaubs. Eigentlich eine Langzeitbelichtung, habe ich eine kurze Belichtung darübergelegt, damit die Vögel scharf abgebildet sind.
Sassnitz: Blick aus der Ferne
Der Pier mit den Vögeln aus einiger Entfernung. Hier wirkt die Ostsee fast wie ein Schwimmbecken.

Folgt man dem Uferpfad, kommt man an einem sehr skurrilen Gebäude vorbei: der sogenannten Kurmuschel von Ulrich Müther, einem Musikpavillon. Auf den ersten Blick hielt ich das Ding, ehrlich gesagt, für ein extravagantes Klo.

Kurmuschel von Ulrich Müther
Die Kurmuschel von Ulrich Müther, aufgenommen mit dem Laowa 7,5mm.

Wenn man Sassnitz in Richtung Nordost folgt, ist man auch schon wieder auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit: dem Nationalpark Jasmund. Diesen wollten wir uns für einen anderen Tag aufheben, dennoch spazierten wir schon mal etwas am Strand entlang. Auch hier lohnte sich bei schlechtem Wetter die kleine Extratour, denn wir bekamen noch so einige Schwäne zu sehen. Davon gibt es auf Rügen überhaupt ausgesprochen viele. Man trifft sie meist nicht mal nur in Paaren, sondern in großen Gruppen. Zum Glück, muss man sagen, denn leider wird, wie ich beim Recherchieren erfahren habe, auch oft Jagd auf die Tiere gemacht. Auf Rügen fallen hunderte Schwäne pro Jahr sinnlosen Vogeljagden aus »Spaß« zum Opfer.

Strand hinter Sassnitz
Folgt man dem Steinstrand hinter Sassnitz, kommt man zu Nationalpark Jasmund mit seinen Kreidefelsen.
Strandmonster
Die mit Algen bewachsenen Äste sehen aus wie die Arme eines Seemonsters.
Schwan in Sassnitz
Ein stimmungsvolles Bild, wie ich finde. Die Ostsee hatte tatsächlich diese Farbe.
Schwan auf Rügen 2
Der Wellengang macht den so ruhigen Tieren nichts aus.
Schwäne in Sassnitz
Mit etwas Ruhe und einer Telebrennweite konnte ich mich den Schwänen gut nähern.
Möwe im Wellengang
auch Möwen hatten mit den Wellen zu kämpfen. War lustig anzuschauen und auch der Möwe schien das Geschaukel zu gefallen.
Möwe im Wellengang 2
Hier und da mussten dann aber doch mal die Flügel zur Hilfe genommen werden.

Test: Laowa 7,5mm f/2

Disclaimer: Das hier beschriebene Laowa-Objektiv habe ich selbst gekauft. Ich wurde nicht beauftragt und möchte lediglich meine Erfahrungen teilen. Ferner sind jegliche Links zu Shops keine Affiliate-Links.

Nachdem ich jetzt schon einige Male darüber geklagt habe, in gewissen Situationen kein Ultraweitwinkel-Objektiv zu besitzen, habe ich nun endlich doch zugeschlagen. Wer im Micro-Four-Thirds-Universum zu Hause ist, hat hier im Wesentlichen drei Hersteller zur Auswahl: Olympus, Panasonic und Laowa. Den Spoiler gibt der Titel vor: Es ist das Laowa geworden. Warum, das erkläre ich im Folgenden.

Wer die Wahl hat

Wie gesagt, man hat im MFT-Bereich im Prinzip drei Linsen zur Auswahl, wenn man sich ein Ultraweitwinkel-Objektiv anschaffen möchte:

  • das Olympus M.Zuiko 7-14mm f/2.8 Pro
  • das Panasonic LUMIX G Vario 7-14mm f/4
  • das Laowa 7,5mm f/2 C-Dreamer

Da ich aktuell ausschließlich Olympus-Kameras verwende, tendiere ich auch zu den wirklich hervorragenden Objektiven desselben Herstellers. Hier allerdings war mir die Olympus-Variante dann doch zu unpraktikabel. Das M.Zuiko wiegt über ein halbes Kilo, ist verdammt groß und am schlimmsten: Durch die herausstehende Frontlinse lassen sich nur sperrige Filtervorrichtungen anbringen, falls man mal Langzeitbelichtungen aufnehmen möchte. Außerdem ist es mit über 1000 Euro auch nicht eben ein Schnäppchen.

Das Panasonic kostet mit aktuell ca. 700 Euro deutlich weniger, ist kleiner und leichter, fiel aber trotzdem recht schnell aus dem Rennen. Durch die Blende von f/4 ist es praktisch für Nachtaufnahmen von Sternenhimmeln ungeeignet. Und wofür kauft man sich denn so ein Ultraweitwinkel-Objektiv, wenn man dann keine Sterne fotografieren kann?

So wurde es das Laowa. Die Blende von f/2 ist perfekt, die Linse ist klein, leicht, hat ein Filtergewinde(!) und kostet gerade mal halb so viel wie das Olympus-Pendant.

Weltmeister im Federgewicht

Als das Objektiv bei mir ankam, war ich über den kleinen Karton doch einigermaßen überrascht. Zuerst einmal ist das Laowa deutlich edler verpackt als etwa die Olympus-Schwestern. Wenn man Objektive eines rein chinesischen Herstellers kauft, ist man ja leider doch immer noch ein wenig skeptisch. Nach dem Auspacken verschwand aber auch der letzte Zweifel, was die Verarbeitung an sich angeht: Das Objektiv ist vollständig aus Metall gearbeitet. Selbst die kleine Streulichtblende ist aus Metall. Der Fokusring ist angenehm schwergängig und auch der gerasterte Blendenring klickt beim Verstellen angenehm.

Warum ein Blendenring? Das Laowa ist komplett manuell. Es gibt keine elektronische Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera. Bei einem Ultraweitwinkel-Objektiv ist das zu verschmerzen, denke ich. Bei der Brennweite von 7,5mm ist sowieso fast immer alles im Fokus und auch die Blende verstellt man eher selten, wenn die Lichtsituationen sich nicht plötzlich krass ändern.

Und wie klein und leicht es ist! Als MFT-Fotograf ist man kleine Objektive ja gewöhnt, aber ein so kleines Objektiv mit dieser Brennweite ist dann doch schon sehr überraschend. Das Laowa gehört definitiv zu meinen kleinsten Objektiven und mit gerade mal 170 Gramm auch zu den leichtesten. Ich hab es direkt mal an meine kleine OM-D E-M10 Mark II angeschlossen. Die beiden ergeben ein ideales Gespann, das man auch gern länger um den Hals tragen kann.

Ideales Gespann: Das Laowa an der OM-D E-M10 Mark II. Wirkt hier fast schon groß, aber …
… mit meiner wirklichen kleinen Hand lässt sich erahnen, wie klein Kamera und Objektiv wirklich sind.

Das Laowa im Test

Zum Ausprobieren habe ich mich erst mal einfach ans geöffnete Badezimmerfenster gestellt. Gegenüber ist eine Baustelle. Die vielen Details eignen sich prima, um bspw. die Randabbildungen der Linse beurteilen zu können. Ich habe mit jeder Blendenstufe des Objektivs, die übrigens von f/2 bis f/22 reichen, ein ähnliches Bild gemacht.

Fazit: Bei voll geöffneter Blende ist die Mitte bereits ausreichend scharf, die Ränder dagegen erscheinen recht weich. Das ist bei Ultraweitwinkeln allerdings nicht ungewöhnlich. Bei f/4 bis f/5.6 ist die Schärfe auch an den Rändern deutlich annehmbarer. So richtig knackig wird’s schon der heftigen Verzerrung wegen aber nie. Bis f/11 fand ich die Ergebnisse immer noch sehr annehmbar, auf f/16 oder gar f/22 würde ich dagegen, wenn möglich, verzichten. Hier wird das Bild dann auch der Beugungsunschärfe wegen doch etwas weicher. Aber auch das sieht man gerade in der Mitte nur, wenn man wirklich nah ans Bild heranzoomt.

Krass ist die Vignette. Bei f/2 sind’s, glaubt man einschlägigen Seiten, ganze 2,5 Blendenstufen. Also das sieht man wirklich, also wirklich, wirklich deutlich. Blendet man auf f/4 oder f/5.6 ab, sieht die Sache schon viel besser aus. Ganz verschwindet die Vignette aber nie. Nichts, was man mit Lightroom nicht entfernen kann, aber dazu gleich noch mal mehr. Mit Schraubfiltern sieht die Sache übrigens noch schlimmer aus. Da ich bereits einen Filtersatz besitze, der aber ein deutlich größeres Gewinde besitzt, habe ich mir für nicht mal 10 Euro einen sehr schmalen Step-Up-Ring von 46mm (Durchmesser des Laowa) auf 62mm bestellt. So musste ich erstens keine neuen Filter kaufen und zweitens hält sich die zusätzliche Vignette in Grenzen, da die Ränder der großen Filter nicht als zusätzliche Abdunklung im Bild landen. Bei kleinen Filtern mit 46mm hätte die Sache ganz anders ausgesehen.

Chromatische Aberrationen sind natürlich an den Rändern ein Thema, was beim Ultraweitwinkel in der Natur der Sache liegt. Die sind über alle Blenden gleich ausgeprägt, fallen aber nicht allzu stark störend ins Gewicht. In Lightroom lassen sie sich per Klick problemlos entfernen.

Bleibt noch was zur »Tonne« zu sagen. Man scheint beim Laowa deutlich mehr Wert auf die kompakte Bauform gelegt zu haben als auf eine saubere optische Korrektur im Objektiv. Denn obwohl es sich um eine Festbrennweite handelt, lässt sich doch eine deutliche tonnenförmige Verzerrung an den Bildrändern wahrnehmen. Bei gewissen Landschaftsaufnahmen mag das egal sein, für Architekturfotos aber beispielsweise geht das gar nicht. Auch hier muss man also hinterher nacharbeiten und verliert dann natürlich ein klein wenig Brennweite, was ich aber nicht so schlimm fand.

Da Bilder oft mehr sagen als tausend Worte, hier meine Testbildstrecke. Die Bilder sind verkleinert, aber man sieht sehr schön die Vignette und in Teilen auch die Verzerrungen.

Weitere Fotos und Fazit zum Laowa

Hier noch eine kleine Auswahl der Fotos, die ich auch kurzen Touren machen konnte. So richtig tolles Licht wollte während meiner Tests nicht herrschen. Die Bilder habe ich in Lightroom bearbeitet. Sowohl die Vignette als auch die Verzerrung habe ich korrigiert. Leider hat Lightroom noch immer kein Profil für das Laowa an Bord, sodass ich mir ein Preset für Blende f/5.6 gebastelt habe. Das ist für mich erst mal in Ordnung.

Dramatische Wolken
Schöne Landschaften haben wir hier nicht so viele, schöne Wolken dafür umso häufiger.
Laowa: Ultimativer Filtertest
Hier hatte ich einen ND1000- und einen ND8-Filter gleichzeitig im Einsatz. Man beachte die kaum sichtbare (weil herausgerechnete) Vignette oben links und rechts.
Laowa: Ultraweitwinkel im Einsatz
Dinge im Vordergrund erscheinen teilweise absurd groß, so wie diese beiden nicht allzu großen Steine.

Neben Natur- und Landschaftsaufnahmen spielen Ultraweitwinkel-Optiken eine wichtige Rolle in der Architekturfotografie. Also habe ich auch diesbezüglich ein wenig herumgespielt. Ein Dank geht an dieser Stelle an meine Freundin, die nie murrt, wenn ich alle fünf Meter anhalte, um nach Motiven zu schauen. 😉

Das Shell-Haus
Für Architekturen wie das Shell-Haus in Berlin bietet sich die geringe Brennweite geradezu an.
Eingang zum Shell-Haus
Diese Aufnahme entstand bodennah. Stürzende Linien wirken hier besonders drastisch.
Upper West
Ein gern genommenes Motiv in Berlin ist das Upper West am Banhof Zoo. Auch hier mittels kurzer Brennweite in ganz neuer Perspektive. Sogar das Waldorf-Astoria nebenan ragt noch locker ins Bild.
Upper West mit Laterne
Mit dem Laowa bekommt man so viel mehr aufs Foto als mit den herkömmlichen MFT-Brennweiten ab meist 12mm.

Und damit es nicht ganz so schwarzweiß ist, hier noch ein paar spontan geschossene Bilder aus der Berliner Innenstadt.

Einkaufszentrum am Potsdamer Platz
Endlich kann auch ich solche Aufnahmen machen. Ich freue mich auf die nächste Stadttour.
Laowa: Ungewöhnliche Perspektiven
Durch die extrem kurze Brennweite bekommen Räume optisch viel mehr Volumen.
Aus der Hüfte
Langzeitbelichtungen (hier 0,5 Sekunden) aus der Hand gelingen mit der Brennweite von nur 7,5mm locker ohne Stativ.

Bleibt abschließend zu sagen, dass ich bisher wirklich viel Spaß mit dem Laowa hatte. Die Brennweite lässt schon sehr außergewöhnliche Bilder zu, man muss aber auch lernen, damit umzugehen. Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten Urlaub und auf meine ersten Gehversuche in der Milchstraßenfotografie.

Festbrennweiten? Wozu das denn?

Als ich mit dem Fotografieren anfing, fand ich reine Zoom-Objektive sehr praktisch. Klar, wer seine erste Kamera kauft, bekommt ja üblicherweise auch gleich ein brauchbares Kit-Objektiv dazu. Dieses deckt schon mal den Brennweitenbereich ab, mit dem man anfangs ohnehin fast ausschließlich experimentieren möchte. Festbrennweiten dagegen fand ich lange Zeit wahnsinnig unpraktisch weil unflexibel, sieht man mal von Makroobjektiven ab. Auch heute noch finde ich Zoom-Objektive praktischer und dennoch habe ich mir neulich eine Festbrennweite gekauft.

Festbrennweiten: M.Zuiko 17mm 1:1.8
href=”https://www.phan-thomas.de/wp-content/uploads/2018/08/IMG_4300.jpg”> Macht an der kleinen OM-D E-M10 Mk. II doch einiges her.[/
Das Olympus M.Zuiko 17mm 1:1.8 ist es geworden. Warum dieses? Es ist wahnsinnig klein, wahnsinnig leicht und hat mit F1.8 eine schöne Offenblende, mit der sich auch an einem Micro-Four-Thirds-Sensor freigestellte Motive erzielen lassen. Außerdem sind 17mm an Micro Four Thirds eine sehr praktische Brennweite. Durch den Crop-Faktor kommt man nämlich auf den Bildausschnitt eines 34mm-Objektivs an einer Vollformatkamera – eine sogenannte Reportagebrennweite. Man kann damit immer noch einigermaßen gut Landschaften und Gebäude einfangen, da der Bildausschnitt noch nicht zu eng ist. Gleichzeitig lassen sich Situationen sehr gut im Bild festhalten, bspw. Personen in ihrem aktuellen Umfeld, wenn es eben kein Portrait sein soll. Praktischerweise hat das M.Zuiko 17mm auch einen pfeilschnellen Autofokus sowie einen sehr geschmeidigen Fokusring fürs manuelle Scharfstellen. So macht das Fotografieren definitiv Spaß. Der Preis des Objektivs ist mit über 400 Euro aber definitiv zu hoch fürs Gebotene. Nur so viel, ich hab weniger bezahlt, aber ein Schnäppchen war das Objektiv trotzdem nicht, zumal seine Abbildungsleistung jetzt auch nicht zur absoluten Oberklasse im MFT-Segment zählt. Warum ich es nun aber gekauft habe? Also …

Gute Gründe für Festbrennweiten

  1. Man hört auf, sich seine Welt »zurechtzuzoomen«. Ein Zoom ist ja nicht vorwiegend dazu gedacht, alles näher heranzuholen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, sondern dazu, eine andere Perspektive einzufangen. Mit einer Festbrennweite fällt dieser vermeintliche Komfort weg. Ich musste mir Motive auf der ersten Testtour jedes Mal erarbeiten: Hier ein paar Schritte vor, da ein paar Schritte zurück – die Erfahrung war eine völlig andere als mit einem Standard-Zoom. Ein bisschen frustrierend zu Beginn, aber auch sehr faszinierend zum Schluss.
  2. Sie fördern die Kreativität. In Anbetracht des fehlenden Zooms muss ich mir stets was Neues einfallen lassen, um meine Bilder interessant wirken zu lassen. Statt ständig am Zoom-Ring herumzudrehen, experimentiere ich lieber mit dem Motiv, lasse mir Zeit, lerne dazu.
  3. Dass Festbrennweiten meistens klein und leicht sind – gerade im Vergleich zu ihren Zoom-Geschwistern – habe ich oben ja schon erwähnt. Durch ihre Festlegung auf eine Brennweite sind sie eben keine Kompromisslösungen und können somit meist kompakter gebaut werden.
  4. Sie sind lichtstark. Wie erwähnt, kommt mein M.Zuiko 17mm mit einer Blende von F1.8 daher. Das ist noch mal deutlich mehr als mein eh schon lichtstarkes M.Zuiko 12-40mm Pro, das »nur« eine durchgehende Blende von F2.8 besitzt. (Übrigens gibt es das 17mm sogar noch als F1.2-Variante, aber hier laufen meiner Meinung nach sowohl Gewicht als auch der Preis aus dem Ruder.) Damit ist es für Low-Light-Situationen bestens geeignet, also für kurze Belichtungszeiten mit niedrigem ISO-Wert in dunklen Umgebungen.
  5. Sie haben meist eine bessere Abbildungsleistung als Zoom-Objektive. Das hier erwähnte 17mm-Objektiv gewinnt zwar nicht den Schärfepreis, dennoch ist die Bildqualität tadellos (vor allem die Lichtsterne haben es mir angetan). Und grundsätzlich gilt dieser Punkt eben schon, da Festbrennweiten eben, wie gesagt, keine Kompromisslösungen sind, sondern spezialisiert weil fixiert auf ihre Brennweite.
  6. Sie sind günstig. Okaaay, sie sind nicht günstig. Meines zumindest war nicht günstig. Aber oft sind sie es schon, besonders, wenn man zum Vergleich ein Zoom-Objektiv heranzieht, das bei selber Brennweite eine ähnlich niedrige Offenblende besitzen soll. Gerade im hohen Brennweitenbereich werden die Preise für vergleichbare Zoom-Objektive schnell vierstellig. Daher ist es manchmal lohnenswerter, lieber eine lichtstarke Festbrennweite zu kaufen als ein teures Zoom, das man sowieso meistens nur für dieselben Motivarten verwendet.

Die erste Testtour

Weil ich in letzter Zeit nicht so recht zum Fotografieren kam, war ich schon etwas gefrustet, schließlich wollte ich das neue Objektiv ausgiebig testen. Das Sternspurfoto aus dem letzten Post habe ich zwar auch schon damit aufgenommen, aber dafür habe ich es ja eigentlich nicht gekauft.

Am Sonntag jedoch war endlich etwas Zeit. Ich ließ nichts anbrennen und fuhr also zum Alexanderplatz, um ein paar Testfotos aufzunehmen. In dem Getümmel dort findet sich eigentlich immer was zum »Knipsen« und falls nicht, soll es dort ja diesen komischen Turm geben. Hier also das Resultat. Besonders gefällt mir übrigens der einheitliche Bildlook, der durch die immer gleiche Brennweite entsteht.

Sternspuren statt Sternschnuppen

In Berlin haben Hobbyfotografen es nicht leicht, wenn sie in der Perseidennacht auf Sternschnuppenjagd gehen. Die Lichtverschmutzung ist so hoch, dass selbst bei Neumond mit bloßem Auge fast gar keine Sterne zu erkennen sind. Da ich nun aber die Kamera schon parat hatte, dachte ich, versuche ich mich doch an was anderem: Am Fotografieren von Sternspuren nämlich.

Diese bekommt man, wenn man sein Himmelsmotiv (zu) lange belichtet: Statt Sternen hat man wegen der Erddrehung plötzlich kleine Schweife im Bild. Je nach verwendeter Brennweite tritt dieser Effekt früher oder später auf. Faustregel für die Belichtungszeit, wenn man diese Schweife nicht haben will: 500 / Brennweite * Cropfaktor der Kamera.

In meinem Fall wollte ich sie aber haben, also stellte ich die Belichtungszeit auf 30 Sekunden. Genug für mich, um Sternspuren statt nur Sterne einfangen zu können. Da mein verwendetes 17mm-Objektiv (34mm KB-Äquivalent) eine Anfangsblende von F1.8 hat, konnte ich den ISO getrost auf dem niedrigsten Wert belassen (200 in meinem Fall) und musste später nichts entrauschen. Die Kamera nahm so definitiv mehr Sterne auf, als ich mit meinen Augen wahrnehmen konnte.

Gut Sternspur will Weile haben.

Da nun 30 Sekunden aber natürlich noch längst nicht genug sind, um wirklich lange Sternspuren einfangen zu können, muss man ziemlich viele Bilder machen. Meine Olympus OM-D E-M10 hat glücklicherweise einen sehr feinen Modus, der dies für mich übernimmt: Alle 30 Sekunden wird ein Foto aufgenommen. Die Lichtunterschiede werden jeweils nur ins erste Foto »gemalt«. Dies geschieht so lange, bis ich die Aufnahme unterbreche. Ich habe also eine geschlagene Stunde belichtet und kam so wohl auf 120 Einzelfotos für meine Aufnahme. Ganz schön frisch draußen, wenn man so lange herumsteht. 😉 Falls deine Kamera einen solchen Modus übrigens nicht hat, musst du tatsächlich viele, viele Einzelfotos aufnehmen und diese hinterher mit einer Software zusammenfügen. Das geht bspw. mit Photoshop oder mit Startrails. In diesem Fall brauchst du aber unbedingt einen Fernauslöser, um nicht zu verwackeln.

Immer auf den Vordergrund achten

Weil ich nun von der Dachterrasse aus keine besonders schöne Kulisse habe, entschied ich mich, die Hausdächer gegenüber als Vordergrund zu verwenden. Denn wie immer gilt: Ganz ohne Vordergrund sind auch Fotos von Sternspuren relativ langweilig. Mit 30 Sekunden bei Offenblende waren die beleuchteten Fassaden und das Laternenlicht natürlich gnadenlos überbelichtet. Daher nahm ich hinterher ein letztes Bild mit Blende F10 und 10 Sekunden Belichtungszeit auf. Dadurch bekam ich einen hübschen Lichtstern in der Laterne (einen schönen Vordergrund ergibt das alles immer noch nicht, aber immerhin).

Anschließend arbeitete ich die Lichter in Lightroom etwas heraus und fügte beide Bilder in Photoshop zusammen. Dafür maskierte ich die zweite Aufnahme und malte nur die korrekt belichteten Häuser in mein Ursprungsbild.

Sicher kein Jahrhundertfoto, aber für den ersten Versuch, wie ich finde, gar nicht mal so schlecht. 🙂

Kamerakauf: Die richtige für mich?

Wer mit dem Fotografieren beginnt, muss sich noch längst keine Kamera kaufen. Unzählige Menschen fotografieren mit dem Smartphone und dass die Ergebnisse sich mit den heutigen Geräten durchaus sehen lassen können, weiß jeder, der mal intensiver auf Instagram unterwegs war. Dennoch: So richtig will es sich (zumindest für mich) doch erst nach Fotografie anfühlen, wenn auch eine »echte« Kamera zur Hand ist. Weil das vielen so gehen wird, beginnt für die meisten vermutlich die Reise mit dem Kamerakauf. Doch welche ist da die richtige?

Größer gleich besser?

Als ich anfing, habe ich erst mal zwei Wochen oder so in die Recherche gesteckt. Ich weiß noch, dass ich seinerzeit hauptsächlich die beiden Platzhirsche Nikon und Canon im Auge hatte. Warum? Weil deren Marketing wohl was richtig gemacht haben musste und ich vermutlich auch dachte, größer sei gleich besser. Ich wollte allerdings auch nicht zu viel Geld in den ersten Kamerakauf investieren, schließlich wusste ich damals nicht, ob ich am Ball bleiben würde. Also machte ich mich im Einsteigersegment schlau – etwas, was nicht unbedingt immer empfehlenswert ist, aber darauf komme ich gleich noch mal zurück. Meine Wahl fiel schließlich auf eine Nikon D3200. Damit war ich im Nikon-Lager. Grund? Die Canon-Einsteigerkameras werden bezüglich der Haptik oft mit dem Attribut »billiges Plastik« bedacht. So was wollte ich ja nun gar nicht. Alle anderen Hersteller hatte ich gar nicht erst in Betracht gezogen. War die Nikon die richtige Kamera für mich. Nun … jein. Das Gute ist, der Sensor produziert wirklich sehr schöne Ergebnisse bis zu ISO-Werten von maximal 1600 (wie ich finde). Aber das ist ab einem bestimmten Preis eigentlich immer der Fall. Außerdem ist die Kamera nicht mit Funktionen überladen. Anfänger können sich aufs Wesentliche konzentrieren und haben dennoch genug Einstellmöglichkeiten, sobald sie über die »Knipsphase« hinausgewachsen sind. Weniger schön, aber das ist rein subjektiv: Die Kamera hat keinen Klapp- oder Schwenkbildschirm. Will man Bilder aus der Froschperspektive aufnehmen oder Makroaufnahmen bewerkstelligen, dann ist ziemliches Verrenken angesagt, um noch durch den Glassucher gucken zu können oder auf dem lahmen Bildschirm was erkennen zu können. Zudem ist das mitgelieferte Kit-Objektiv zwar okay, aber mehr auch nicht (wie meistens). Relativ schnell fehlten mir zudem elementare Funktionen wie eine Spiegelvorauslösung für unverwackelte Aufnahmen vom Stativ aus. Daher ist, wie ich finde, das Einsteigersegment eben doch nicht immer das beste. Außerdem ist die »kleine« Nikon immer noch eine verdammt große Kamera (zumindest in meinen kleinen Händen) – besonders dann, wenn auch noch ein dickes Objektiv dranhängt. Im Resultat blieb die Nikon dann doch häufiger zu Hause als dass ich sie mitnahm. Wie will man so dazulernen? Richtig, gar nicht.

Kamerakauf, zweiter Versuch

2017 kaufte ich eine andere Kamera. Ging ich dieses Mal systematischer vor? Nein, im Gegenteil. Der zweite Kauf war eine reine Bauchentscheidung – zufällig eine gute. Und wiederum wohl das Resultat guten Marketings. Nach dem Besuch des Olympus Perspective Playground, einer reinen Werbeveranstaltung der Firma Olympus, wo man deren Kameras umsonst ausprobieren kann, kaufte ich direkt die OM-D E-M10 Mark II. So wenig eingängig der Name auch ist, so schön ist doch das Gerät – ein wahrer Handschmeichler, womit wir wieder bei der Bauchentscheidung wären. Ich kannte wenige Eigenschaften des Geräts, wusste vom Ausprobieren nur, sie war wahnsinnig klein, sehr leicht, fühlte sich wunderbar passend für mich an und hatte so ungefähr den besten Bildstabilisator des Universums. Seit diesem Kauf sind diverse Objektive bei mir eingezogen, einiges an Zubehör und ich fotografiere, was das Zeug hält. Weshalb? Weil die Kamera erstens so kompakt ist, dass ich sie einfach immer die Tasche stecken kann und sie mir zweitens (viel wichtiger) einfach Spaß macht.

Probieren geht über studieren

Was ich damit sagen will: Falls ihr zufällig gerade über dieses Blog gestolpert seid, weil ihr mit dem Gedanken des Kamerakaufs spielt, dann guckt nicht einfach die Wertelisten durch und lest Erfahrungsberichte. Menschen sind unterschiedlich und haben eben auch unterschiedliche Bedürfnisse, wenn es ums Fotografieren geht. Nur weil eine Kamera den besten Sensor am Markt hat, muss es nicht heißen, dass sie für euch die richtige ist. Wenn das Ding mit aufgeschraubtem Objektiv so viel wiegt wie ein Kleinwagen und ihr sie deswegen regelmäßig im Schrank lasst, bringt euch das wenig. Geht in den Laden, probiert die Dinger ruhig aus. Oft gibt es auch die Möglichkeit, Kameras zu leihen. Hab ich selbst noch nicht gemacht, würde ich dieses Mal vor einer größeren Investition aber tun (oder wieder zu einer Werbeveranstaltung gehen). Gebt nicht zu viel Geld aus. Wer willens ist, so ungefähr 300 Euro zu investieren, bekommt auf jeden Fall ein gutes Gerät, mit dem sich prima Bilder machen lassen, ganz egal, ob der Hersteller nun Nikon, Fujifilm oder Panasonic heißt. Die Kamera muss sich für euch passend anfühlen. Ist sie leicht oder schwer genug? Sind die Knöpfe gut zu erreichen? Wer das Ding später nicht gern in die Hand nimmt, hat schon verloren. Lasst euch auch nicht einreden, ein größerer Sensor würde euch automatisch helfen, bessere Bilder zu machen. Größere Sensoren bedeuten auch immer größere und schwerere Objektive. Seid ihr auf Fototour, braucht ihr dann unter Umständen große Rucksäcke, die schwer beladen zur Rückenschmerzen führen. Oder wollt ihr sogar schweres Zeug? Auch gut, aber ebenso gut, wenn man das vorm Kamerakauf auch schon weiß.

Die Kamera ist nicht alles

Ein letzter und eigentlich ebenso wichtiger Punkt, wenn auch etwas theoretisch: Überlegt euch, was ihr so fotografieren wollt. Denkt ihr über Wechselobjektive nach? Falls ja, dann überschlagt ruhig mal, was die Dinger im Nachhinein kosten würden. Die Festlegung auf einen Hersteller ist auch fast immer die Festlegung auf ein System. Warum theoretisch? Weil man oft am Anfang ja noch gar nicht weiß, was man überhaupt alles später mal fotografieren möchte. Falls ihr gar keine Objektive kaufen wollt, lasst euch bitte vom Händler vor Ort keine Spiegelreflex- oder Systemkamera aufschwatzen. Es gibt tolle Kompaktkameras, mit denen sich genauso professionell arbeiten lässt wie mit ihren großen Schwestern. Ist man mal über den Komplex hinweg, »nur eine kleine Kamera« zu besitzen, kann das sehr vorteilhaft sein.

Welche soll ich denn nun kaufen?

Falls ihr den Text bis hierher gelesen habt, sollte klar sein, dass ich hier nichts empfehlen kann oder werde. Würde ich die von mir erwähnte Olympus wieder kaufen? Aber ja! Würde ich sie euch empfehlen? Natürlich nicht. 😉 Vielleicht noch ein Schlussatz: Kauft nicht zu viel Zeug. Ich lese immer wieder von Leuten, deren erster Kamerakauf erst ein paar Monate zurückliegt und die schon eine »größere« kaufen wollen, um vermeintlich bessere Bilder zu machen. Die Bilder macht immer noch der Fotograf hinter der Kamera und erst, wenn ihr mit eurem Gerät definitiv unterfordert seid oder eine Funktion, die ihr uuunbedingt braucht, wirklich fehlt, wird es Zeit, über eine Neuanschaffung nachzudenken.