Festbrennweiten? Wozu das denn?

Als ich mit dem Fotografieren anfing, fand ich reine Zoom-Objektive sehr praktisch. Klar, wer seine erste Kamera kauft, bekommt ja üblicherweise auch gleich ein brauchbares Kit-Objektiv dazu. Dieses deckt schon mal den Brennweitenbereich ab, mit dem man anfangs ohnehin fast ausschließlich experimentieren möchte. Festbrennweiten dagegen fand ich lange Zeit wahnsinnig unpraktisch weil unflexibel, sieht man mal von Makroobjektiven ab. Auch heute noch finde ich Zoom-Objektive praktischer und dennoch habe ich mir neulich eine Festbrennweite gekauft.

Festbrennweiten: M.Zuiko 17mm 1:1.8
href=”https://www.phan-thomas.de/wp-content/uploads/2018/08/IMG_4300.jpg”> Macht an der kleinen OM-D E-M10 Mk. II doch einiges her.[/
Das Olympus M.Zuiko 17mm 1:1.8 ist es geworden. Warum dieses? Es ist wahnsinnig klein, wahnsinnig leicht und hat mit F1.8 eine schöne Offenblende, mit der sich auch an einem Micro-Four-Thirds-Sensor freigestellte Motive erzielen lassen. Außerdem sind 17mm an Micro Four Thirds eine sehr praktische Brennweite. Durch den Crop-Faktor kommt man nämlich auf den Bildausschnitt eines 34mm-Objektivs an einer Vollformatkamera – eine sogenannte Reportagebrennweite. Man kann damit immer noch einigermaßen gut Landschaften und Gebäude einfangen, da der Bildausschnitt noch nicht zu eng ist. Gleichzeitig lassen sich Situationen sehr gut im Bild festhalten, bspw. Personen in ihrem aktuellen Umfeld, wenn es eben kein Portrait sein soll. Praktischerweise hat das M.Zuiko 17mm auch einen pfeilschnellen Autofokus sowie einen sehr geschmeidigen Fokusring fürs manuelle Scharfstellen. So macht das Fotografieren definitiv Spaß. Der Preis des Objektivs ist mit über 400 Euro aber definitiv zu hoch fürs Gebotene. Nur so viel, ich hab weniger bezahlt, aber ein Schnäppchen war das Objektiv trotzdem nicht, zumal seine Abbildungsleistung jetzt auch nicht zur absoluten Oberklasse im MFT-Segment zählt. Warum ich es nun aber gekauft habe? Also …

Gute Gründe für Festbrennweiten

  1. Man hört auf, sich seine Welt »zurechtzuzoomen«. Ein Zoom ist ja nicht vorwiegend dazu gedacht, alles näher heranzuholen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, sondern dazu, eine andere Perspektive einzufangen. Mit einer Festbrennweite fällt dieser vermeintliche Komfort weg. Ich musste mir Motive auf der ersten Testtour jedes Mal erarbeiten: Hier ein paar Schritte vor, da ein paar Schritte zurück – die Erfahrung war eine völlig andere als mit einem Standard-Zoom. Ein bisschen frustrierend zu Beginn, aber auch sehr faszinierend zum Schluss.
  2. Sie fördern die Kreativität. In Anbetracht des fehlenden Zooms muss ich mir stets was Neues einfallen lassen, um meine Bilder interessant wirken zu lassen. Statt ständig am Zoom-Ring herumzudrehen, experimentiere ich lieber mit dem Motiv, lasse mir Zeit, lerne dazu.
  3. Dass Festbrennweiten meistens klein und leicht sind – gerade im Vergleich zu ihren Zoom-Geschwistern – habe ich oben ja schon erwähnt. Durch ihre Festlegung auf eine Brennweite sind sie eben keine Kompromisslösungen und können somit meist kompakter gebaut werden.
  4. Sie sind lichtstark. Wie erwähnt, kommt mein M.Zuiko 17mm mit einer Blende von F1.8 daher. Das ist noch mal deutlich mehr als mein eh schon lichtstarkes M.Zuiko 12-40mm Pro, das »nur« eine durchgehende Blende von F2.8 besitzt. (Übrigens gibt es das 17mm sogar noch als F1.2-Variante, aber hier laufen meiner Meinung nach sowohl Gewicht als auch der Preis aus dem Ruder.) Damit ist es für Low-Light-Situationen bestens geeignet, also für kurze Belichtungszeiten mit niedrigem ISO-Wert in dunklen Umgebungen.
  5. Sie haben meist eine bessere Abbildungsleistung als Zoom-Objektive. Das hier erwähnte 17mm-Objektiv gewinnt zwar nicht den Schärfepreis, dennoch ist die Bildqualität tadellos (vor allem die Lichtsterne haben es mir angetan). Und grundsätzlich gilt dieser Punkt eben schon, da Festbrennweiten eben, wie gesagt, keine Kompromisslösungen sind, sondern spezialisiert weil fixiert auf ihre Brennweite.
  6. Sie sind günstig. Okaaay, sie sind nicht günstig. Meines zumindest war nicht günstig. Aber oft sind sie es schon, besonders, wenn man zum Vergleich ein Zoom-Objektiv heranzieht, das bei selber Brennweite eine ähnlich niedrige Offenblende besitzen soll. Gerade im hohen Brennweitenbereich werden die Preise für vergleichbare Zoom-Objektive schnell vierstellig. Daher ist es manchmal lohnenswerter, lieber eine lichtstarke Festbrennweite zu kaufen als ein teures Zoom, das man sowieso meistens nur für dieselben Motivarten verwendet.

Die erste Testtour

Weil ich in letzter Zeit nicht so recht zum Fotografieren kam, war ich schon etwas gefrustet, schließlich wollte ich das neue Objektiv ausgiebig testen. Das Sternspurfoto aus dem letzten Post habe ich zwar auch schon damit aufgenommen, aber dafür habe ich es ja eigentlich nicht gekauft.

Am Sonntag jedoch war endlich etwas Zeit. Ich ließ nichts anbrennen und fuhr also zum Alexanderplatz, um ein paar Testfotos aufzunehmen. In dem Getümmel dort findet sich eigentlich immer was zum »Knipsen« und falls nicht, soll es dort ja diesen komischen Turm geben. Hier also das Resultat. Besonders gefällt mir übrigens der einheitliche Bildlook, der durch die immer gleiche Brennweite entsteht.

Sternspuren statt Sternschnuppen

In Berlin haben Hobbyfotografen es nicht leicht, wenn sie in der Perseidennacht auf Sternschnuppenjagd gehen. Die Lichtverschmutzung ist so hoch, dass selbst bei Neumond mit bloßem Auge fast gar keine Sterne zu erkennen sind. Da ich nun aber die Kamera schon parat hatte, dachte ich, versuche ich mich doch an was anderem: Am Fotografieren von Sternspuren nämlich.

Diese bekommt man, wenn man sein Himmelsmotiv (zu) lange belichtet: Statt Sternen hat man wegen der Erddrehung plötzlich kleine Schweife im Bild. Je nach verwendeter Brennweite tritt dieser Effekt früher oder später auf. Faustregel für die Belichtungszeit, wenn man diese Schweife nicht haben will: 500 / Brennweite * Cropfaktor der Kamera.

In meinem Fall wollte ich sie aber haben, also stellte ich die Belichtungszeit auf 30 Sekunden. Genug für mich, um Sternspuren statt nur Sterne einfangen zu können. Da mein verwendetes 17mm-Objektiv (34mm KB-Äquivalent) eine Anfangsblende von F1.8 hat, konnte ich den ISO getrost auf dem niedrigsten Wert belassen (200 in meinem Fall) und musste später nichts entrauschen. Die Kamera nahm so definitiv mehr Sterne auf, als ich mit meinen Augen wahrnehmen konnte.

Gut Sternspur will Weile haben.

Da nun 30 Sekunden aber natürlich noch längst nicht genug sind, um wirklich lange Sternspuren einfangen zu können, muss man ziemlich viele Bilder machen. Meine Olympus OM-D E-M10 hat glücklicherweise einen sehr feinen Modus, der dies für mich übernimmt: Alle 30 Sekunden wird ein Foto aufgenommen. Die Lichtunterschiede werden jeweils nur ins erste Foto »gemalt«. Dies geschieht so lange, bis ich die Aufnahme unterbreche. Ich habe also eine geschlagene Stunde belichtet und kam so wohl auf 120 Einzelfotos für meine Aufnahme. Ganz schön frisch draußen, wenn man so lange herumsteht. 😉 Falls deine Kamera einen solchen Modus übrigens nicht hat, musst du tatsächlich viele, viele Einzelfotos aufnehmen und diese hinterher mit einer Software zusammenfügen. Das geht bspw. mit Photoshop oder mit Startrails. In diesem Fall brauchst du aber unbedingt einen Fernauslöser, um nicht zu verwackeln.

Immer auf den Vordergrund achten

Weil ich nun von der Dachterrasse aus keine besonders schöne Kulisse habe, entschied ich mich, die Hausdächer gegenüber als Vordergrund zu verwenden. Denn wie immer gilt: Ganz ohne Vordergrund sind auch Fotos von Sternspuren relativ langweilig. Mit 30 Sekunden bei Offenblende waren die beleuchteten Fassaden und das Laternenlicht natürlich gnadenlos überbelichtet. Daher nahm ich hinterher ein letztes Bild mit Blende F10 und 10 Sekunden Belichtungszeit auf. Dadurch bekam ich einen hübschen Lichtstern in der Laterne (einen schönen Vordergrund ergibt das alles immer noch nicht, aber immerhin).

Anschließend arbeitete ich die Lichter in Lightroom etwas heraus und fügte beide Bilder in Photoshop zusammen. Dafür maskierte ich die zweite Aufnahme und malte nur die korrekt belichteten Häuser in mein Ursprungsbild.

Sicher kein Jahrhundertfoto, aber für den ersten Versuch, wie ich finde, gar nicht mal so schlecht. 🙂

Kamerakauf: Die richtige für mich?

Wer mit dem Fotografieren beginnt, muss sich noch längst keine Kamera kaufen. Unzählige Menschen fotografieren mit dem Smartphone und dass die Ergebnisse sich mit den heutigen Geräten durchaus sehen lassen können, weiß jeder, der mal intensiver auf Instagram unterwegs war. Dennoch: So richtig will es sich (zumindest für mich) doch erst nach Fotografie anfühlen, wenn auch eine »echte« Kamera zur Hand ist. Weil das vielen so gehen wird, beginnt für die meisten vermutlich die Reise mit dem Kamerakauf. Doch welche ist da die richtige?

Größer gleich besser?

Als ich anfing, habe ich erst mal zwei Wochen oder so in die Recherche gesteckt. Ich weiß noch, dass ich seinerzeit hauptsächlich die beiden Platzhirsche Nikon und Canon im Auge hatte. Warum? Weil deren Marketing wohl was richtig gemacht haben musste und ich vermutlich auch dachte, größer sei gleich besser. Ich wollte allerdings auch nicht zu viel Geld in den ersten Kamerakauf investieren, schließlich wusste ich damals nicht, ob ich am Ball bleiben würde. Also machte ich mich im Einsteigersegment schlau – etwas, was nicht unbedingt immer empfehlenswert ist, aber darauf komme ich gleich noch mal zurück. Meine Wahl fiel schließlich auf eine Nikon D3200. Damit war ich im Nikon-Lager. Grund? Die Canon-Einsteigerkameras werden bezüglich der Haptik oft mit dem Attribut »billiges Plastik« bedacht. So was wollte ich ja nun gar nicht. Alle anderen Hersteller hatte ich gar nicht erst in Betracht gezogen. War die Nikon die richtige Kamera für mich. Nun … jein. Das Gute ist, der Sensor produziert wirklich sehr schöne Ergebnisse bis zu ISO-Werten von maximal 1600 (wie ich finde). Aber das ist ab einem bestimmten Preis eigentlich immer der Fall. Außerdem ist die Kamera nicht mit Funktionen überladen. Anfänger können sich aufs Wesentliche konzentrieren und haben dennoch genug Einstellmöglichkeiten, sobald sie über die »Knipsphase« hinausgewachsen sind. Weniger schön, aber das ist rein subjektiv: Die Kamera hat keinen Klapp- oder Schwenkbildschirm. Will man Bilder aus der Froschperspektive aufnehmen oder Makroaufnahmen bewerkstelligen, dann ist ziemliches Verrenken angesagt, um noch durch den Glassucher gucken zu können oder auf dem lahmen Bildschirm was erkennen zu können. Zudem ist das mitgelieferte Kit-Objektiv zwar okay, aber mehr auch nicht (wie meistens). Relativ schnell fehlten mir zudem elementare Funktionen wie eine Spiegelvorauslösung für unverwackelte Aufnahmen vom Stativ aus. Daher ist, wie ich finde, das Einsteigersegment eben doch nicht immer das beste. Außerdem ist die »kleine« Nikon immer noch eine verdammt große Kamera (zumindest in meinen kleinen Händen) – besonders dann, wenn auch noch ein dickes Objektiv dranhängt. Im Resultat blieb die Nikon dann doch häufiger zu Hause als dass ich sie mitnahm. Wie will man so dazulernen? Richtig, gar nicht.

Kamerakauf, zweiter Versuch

2017 kaufte ich eine andere Kamera. Ging ich dieses Mal systematischer vor? Nein, im Gegenteil. Der zweite Kauf war eine reine Bauchentscheidung – zufällig eine gute. Und wiederum wohl das Resultat guten Marketings. Nach dem Besuch des Olympus Perspective Playground, einer reinen Werbeveranstaltung der Firma Olympus, wo man deren Kameras umsonst ausprobieren kann, kaufte ich direkt die OM-D E-M10 Mark II. So wenig eingängig der Name auch ist, so schön ist doch das Gerät – ein wahrer Handschmeichler, womit wir wieder bei der Bauchentscheidung wären. Ich kannte wenige Eigenschaften des Geräts, wusste vom Ausprobieren nur, sie war wahnsinnig klein, sehr leicht, fühlte sich wunderbar passend für mich an und hatte so ungefähr den besten Bildstabilisator des Universums. Seit diesem Kauf sind diverse Objektive bei mir eingezogen, einiges an Zubehör und ich fotografiere, was das Zeug hält. Weshalb? Weil die Kamera erstens so kompakt ist, dass ich sie einfach immer die Tasche stecken kann und sie mir zweitens (viel wichtiger) einfach Spaß macht.

Probieren geht über studieren

Was ich damit sagen will: Falls ihr zufällig gerade über dieses Blog gestolpert seid, weil ihr mit dem Gedanken des Kamerakaufs spielt, dann guckt nicht einfach die Wertelisten durch und lest Erfahrungsberichte. Menschen sind unterschiedlich und haben eben auch unterschiedliche Bedürfnisse, wenn es ums Fotografieren geht. Nur weil eine Kamera den besten Sensor am Markt hat, muss es nicht heißen, dass sie für euch die richtige ist. Wenn das Ding mit aufgeschraubtem Objektiv so viel wiegt wie ein Kleinwagen und ihr sie deswegen regelmäßig im Schrank lasst, bringt euch das wenig. Geht in den Laden, probiert die Dinger ruhig aus. Oft gibt es auch die Möglichkeit, Kameras zu leihen. Hab ich selbst noch nicht gemacht, würde ich dieses Mal vor einer größeren Investition aber tun (oder wieder zu einer Werbeveranstaltung gehen). Gebt nicht zu viel Geld aus. Wer willens ist, so ungefähr 300 Euro zu investieren, bekommt auf jeden Fall ein gutes Gerät, mit dem sich prima Bilder machen lassen, ganz egal, ob der Hersteller nun Nikon, Fujifilm oder Panasonic heißt. Die Kamera muss sich für euch passend anfühlen. Ist sie leicht oder schwer genug? Sind die Knöpfe gut zu erreichen? Wer das Ding später nicht gern in die Hand nimmt, hat schon verloren. Lasst euch auch nicht einreden, ein größerer Sensor würde euch automatisch helfen, bessere Bilder zu machen. Größere Sensoren bedeuten auch immer größere und schwerere Objektive. Seid ihr auf Fototour, braucht ihr dann unter Umständen große Rucksäcke, die schwer beladen zur Rückenschmerzen führen. Oder wollt ihr sogar schweres Zeug? Auch gut, aber ebenso gut, wenn man das vorm Kamerakauf auch schon weiß.

Die Kamera ist nicht alles

Ein letzter und eigentlich ebenso wichtiger Punkt, wenn auch etwas theoretisch: Überlegt euch, was ihr so fotografieren wollt. Denkt ihr über Wechselobjektive nach? Falls ja, dann überschlagt ruhig mal, was die Dinger im Nachhinein kosten würden. Die Festlegung auf einen Hersteller ist auch fast immer die Festlegung auf ein System. Warum theoretisch? Weil man oft am Anfang ja noch gar nicht weiß, was man überhaupt alles später mal fotografieren möchte. Falls ihr gar keine Objektive kaufen wollt, lasst euch bitte vom Händler vor Ort keine Spiegelreflex- oder Systemkamera aufschwatzen. Es gibt tolle Kompaktkameras, mit denen sich genauso professionell arbeiten lässt wie mit ihren großen Schwestern. Ist man mal über den Komplex hinweg, »nur eine kleine Kamera« zu besitzen, kann das sehr vorteilhaft sein.

Welche soll ich denn nun kaufen?

Falls ihr den Text bis hierher gelesen habt, sollte klar sein, dass ich hier nichts empfehlen kann oder werde. Würde ich die von mir erwähnte Olympus wieder kaufen? Aber ja! Würde ich sie euch empfehlen? Natürlich nicht. 😉 Vielleicht noch ein Schlussatz: Kauft nicht zu viel Zeug. Ich lese immer wieder von Leuten, deren erster Kamerakauf erst ein paar Monate zurückliegt und die schon eine »größere« kaufen wollen, um vermeintlich bessere Bilder zu machen. Die Bilder macht immer noch der Fotograf hinter der Kamera und erst, wenn ihr mit eurem Gerät definitiv unterfordert seid oder eine Funktion, die ihr uuunbedingt braucht, wirklich fehlt, wird es Zeit, über eine Neuanschaffung nachzudenken.