Storchschnabel

Makrozeit

Frühlingszeit ist Makrozeit – zumindest bei mir. Zum Glück hat es dieses Jahr im Mai hier schon einige Male geregnet, sodass die gerade erwachte Natur nicht direkt wieder verdurstet ist. Leider ja auch keine Selbstverständlichkeit mehr. 

Frei nach Goethe: Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Schöne wächst so nah? Grad in der Makrofotografie gilt das: Es gibt überall Schönes zu entdecken. Hübsche kleine Details: spannende Blütenformationen, Bienen, die sich im Pollen wälzen, Ameisen beim Aufräumen ihres Reviers … Als Makrofotograf suchen meine Augen den Boden entsprechend dauernd nach solchen Dingen ab.

Und das geht eigentlich so ziemlich überall.

Kürzlich waren wir im Britzer Garten hier in Berlin. Hauptsächlich natürlich zur Entspannung, um uns die Füße zu vertreten, ein wenig Natur samt Pollen einzuatmen, Vögel zu beobachten, hysterischen Eltern beim Anschreien ihrer Kinder zu lauschen – sowas halt. Aber als das Licht zum Nachmittag hin endlich passte, musste ich natürlich Kamera samt Makro zücken. 

Pollen im Portrait
Diese verspielte Makroaufnahme entstand im Britzer Garten. Die Sonne durchleuchtete die Blüte von hinten.
Maiglöckchen
Ein Maiglöckchen – ebenfalls aufgenommen im Britzer Garten. Bloß nicht essen!

Auf solchen Ausflügen habe ich es gar nicht mal auf die vielen schönen Blumen abgesehen, die extra angepflanzt wurden. Grad Tulpen und so weiter finde ich aus Makrosicht doch recht schwierig zu knipsen: zu groß, zu flächig. 

Vergissmeinnicht, ganz in weiß
Auch im Britzer Garten entstanden: weiße Vergissmeinnicht. Die musste ich natürlich knipsen!

Nein, mir gefallen grad die vielen kleinen Wildblumen, die etwa unter Steinen hervorlugen, als hätten sie sich ihren Weg mühselig ans Tageslicht bahnen müssen. Hier gehen bei mir die Augen auf Entdeckungsreise und die Gedanken geben Ruhe. Das ist für mich reine Entspannung, aller kreischenden Parkbesucher zum Trotz.

Storchschnabel
Ein … Storchschnabel? Sagt Google jedenfalls. Das Motiv lag im Schatten, der Hintergrund war dagegen sehr sonnig. Für ein schönes helles Bokeh war das passend.

Aber es muss gar nicht mal auswärts sein, auch in unserem kleinen Garten wächst allerhand auf der Wildwiese, die mal ein Rasen war. Hier sitze ich gerne im Schneidersitz, lasse mir Zeit mit den Motiven, da wird auch mal für zusätzliche Beleuchtung durch kleine LED-Lampen gesorgt, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Wenn dann noch das Bokeh stimmt, ist mir das die reinste Freude. 

Marienkäferspaß
Marienkäfer bei der Familienplanung. Sehe ich auch nicht so oft bei uns im Garten.

Und genau deswegen bin ich der Makrofotografie über all die Jahre auch treu geblieben: Überall warten schöne und geduldige Motive. Ich muss sie nur mit den Augen freilegen.

Blütendetails
Detailaufnahme einer Rhododendronblüte – entstanden mittels Fokusstacking. Die Kamera stand dabei auf einem kleinen Stativ.

Equipment

  • Kamera: OM System OM-1
  • Objektiv: M.Zuiko Digital ED 90mm 3.5 Macro IS PRO
  • Stativ: Sirui Traveler Ultralight
  • Stacking-Software (letztes Bild): Helicon Focus

0 Kommentare zu “Makrozeit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert