Kurztest: Das Panasonic Leica 100-400mm

Ich hatte mir zum Jahreswechsel vorgenommen, wieder etwas mehr hier zu bloggen, also los geht’s. Vor einigen Wochen habe ich mir in weiser Voraussicht auf unseren nächsten Urlaub an der Müritz das Panasonic Leica 100-400mm f4-6.3 gekauft. Mit einem aktuellen Straßenpreis von fast 1.500 Euro kein Schnäppchen für mich als Hobbyfotograf. Aber da die Linse erstens gerade im Angebot war und zweitens Panasonic eine nette Cashback-Aktion laufen hatte, konnte ich letztlich nicht widerstehen.

Grundsätzlich bevorzuge ich Olympus-Objektive, eben weil meine Kameras vom selben Hersteller sind. Dummerweise hat Olympus aber aktuell kein derart flexibles Super-Teleobjektiv im Sortiment. Entweder kauft man dort das M.Zuiko 40-150mm f2.8 Pro, oder das 300mm f4 Pro. Letzteres wäre dann noch einmal doppelt so teuer wie die Panasonic-Variante und zudem eine Festbrennweite. So gesehen relativiert sich natürlich der hohe Preis. 😉 Insgesamt aber schön, dass man als Micro-Four-Thirds-Nutzer immer die Wahl zwischen mehreren Anbietern hat, egal welche Kamera man verwendet.

Stabilisiertes Metall

Nach dem Auspacken war ich wieder mal positiv überrascht. Das optisch schlicht gestaltete Objektiv ist komplett aus Metall gefertigt. Es wirkt direkt, als könnte man damit Einbrecher erschlagen. Über einen Schalter lässt sich der übrigens sehr, sehr zügig arbeitende Autofokus auf mindestens 5 Meter begrenzen. Außerdem lässt sich über einen weiteren Schalter die Bildstabilisierung an- und abschalten. Diese ist, nebenbei bemerkt, in den oberen Brennweitenbereichen deutlich effizienter als die ansonsten hervorragende Stabilisierung in den Olympus-Kameras. Wer eine Panasonic-Kamera verwendet, kann deren Stabilisierung mit der des Objektivs kombinieren. Bei Olympus-Kameras geht das leider nicht, was sehr schade ist.

Auch sonst lässt sich ausstattungstechnisch nicht meckern. Panasonic liefert eine Schelle mit, mittels der sich das Objektiv auf einem Stativ befestigen lässt. Leider muss man selbst eine Arca-Swiss-Schnellwechselplatte drunterpappen, weil die Schelle sonst nur das übliche Schraubgewinde bietet. Immerhin lässt sie sich um 90 Grad drehen, sodass man bequem vom Quer- ins Hochformat wechseln kann, wenn die Kamera auf einem Stativ steht. Neben dem fast schon obligatorischen Objektivköcher wird weiterhin eine Streulichtblendenverlängerung mitgeliefert. Am Objektiv selbst ist bereits eine kurze Blende befestigt, die sich vor und zurückfahren lässt. Die Verlängerung schraubt man dann bei Bedarf einfach dazu. Eine merkwürdige Konstruktion, wie ich finde, aber wenig störend.

Das Panasonic Leica: Ein Kompromiss aus Gewicht und Lichtstärke

Das Panasonic Leica wiegt fast 1 Kilo und ist damit mein mit Abstand schwerstes Objektiv. Was nach viel klingt, ist gemessen an der Brennweite aber ein Fliegengewicht. 100-400mm am Micro-Four-Thirds-Sensor sind immerhin 200-800mm im Kleinbild! Hier wöge ein vergleichbares Objektiv locker ein paar Kilo mehr. Fairerweise muss man dazu sagen, dass selbiges für die Blende von f4-6.3 gilt, was die Tiefenschärfe (Oder Schärfentiefe? 😉 ) angeht. Man bekommt also den Look einer Linse mit f8-12.6. Damit gewinnt das Bokeh keinen Preis in Sachen Cremigkeit, aber die 400mm (800mm) bieten immer noch erfreulich viel Hintergrundunschärfe – für meine Ansprüche einstweilen genug.

Ein Nachteil der hohen Blendenzahl ist natürlich die Lichtstärke an sich: Während meines Testlaufs war der Himmel recht wolkenverhangen und grundsätzlich wirkte der Tag sehr dunkel. Bei einer Blende von f6.3 auf 400mm kommt man, sofern man beispielsweise Vögel fotografieren möchte (worauf die Linse ja abzielt), schnell an die Grenzen dessen, was ISO-technisch auf Micro Four Thirds erträglich ist: Grundsätzlich gehe ich nie über ISO 1600 und der Wert war fix erreicht. Ich hatte aber den Eindruck, dass das entstandene Bildrauschen deutlich weniger drastisch ist als bei billigeren Objektiven im selben ISO-Bereich. Da haben die Ingenieure von Panasonic und Leica echt gute Arbeit geleistet.

Scharfe Bilder

Ebenso, was die Schärfe angeht: Als Olympus-Nutzer ist man da ja ohnehin etwas verwöhnt, weil hier selbst die günstigen Objektive schon wunderbar scharf bis an den Rand abbilden. Aber das Panasonic Leica muss sich hier echt nicht verstecken. Auch chromatische Abberationen konnte ich kaum feststellen, allerdings hätte ich das in dem Preissegment und mit einem Leica-Stempel drauf auch so erwartet. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden und hoffe, in den nächsten Tagen noch mal bei besseren Lichtbedingungen fotografieren zu können. Bis dahin lasse ich ein paar ausgewählte Bilder für sich sprechen:

Ente beim Putzen
Mit 800mm auf Kleinbild gerechnet konnte ich wenig genug weg bleiben, um das Kerlchen nicht beim Putzen zu stören.
Panasonic Leica 100-400mm: Tiefenschärfe
Wie man sieht, ist das Bokeh immer noch brauchbar, auch wenn es etwas ruhiger sein könnte.
Panasonic Leica 100-400mm: Krähe mit chromatischen Abberationen
Hier erkennt man, wenn man genau hinschaut, kleinere Farbsäume am Rand der Krähe. Diese halten sich aber in Grenzen.
Pferdchen beim Lunch
Auch dieses Pferd (Ist es ein Pony?) ließ sich von mir nicht stören.
Erwischt!
Diese Gans fühlte sich trotz meiner Entfernung offenbar dann doch beobachtet.
Ich sehe dich!
Und das Schaf blökte ordentlich vor sich hin, weil es wohl nicht fotografiert werden wollte. Hab ich trotzdem gemacht. 😉
Spatz nach dem Fressen
Der kleine Spatz hat vergessen, seinen Schnabel nach dem Essen zu säubern.
Panasonic Leica 100-400mm: Paradedisziplin Vogelfotografie
Mit ordentlich Brennweite lassen sich auch Kleinstvögel ausreichend groß abbilden.