Vor ein paar Tagen waren wir abends am Strand. Wir machen gerne im Inland Urlaub, also war es kein spektakulärer Strand mit Palmen voller Kokosnüsse. Norddeutsche Kargheit, viel Sand, rauschende Wellen, Muscheln, kreischende Möwen, die Sonne am Abend ein zunehmend roter Ball auf ihrem Weg hinter den Horizont.

Schön war es, reduziert, gebremst, heilsam. Da ich hier in der Gegend so ziemlich alles schon ausfotografiert habe und auch sonst meine ganz obsessive Zeit die Fotografie betreffend vorbei ist, habe ich es genossen, ganz entspannt auf Motivsuche zu gehen. Nichts Atemberaubendes, kein One-in-a-million-Shot, keine Erwartung. Einfach ein bisschen »knipsen«, den Prozess genießen. Gucken, was geht. Und nebenbei nicht vergessen, den Moment zu genießen.

Über die letzten Jahre habe ich Fotos, wenn ich sie nicht gerade für Rahmung und Aufhängung gedruckt habe (was seltener vorkommt, als ich es gern hätte), hauptsächlich auf Instagram gepostet. Instagram war, wenn man ehrlich ist, noch nie eine wirklich tolle Plattform. Geringe Auflösung und zumindest bis zuletzt sehr eingeschränkte Formate waren zu keiner Zeit eine Liebeserklärung der App an die Fotografie. Dennoch machten das Posten und Entdecken mitunter Spaß: Es gab ab und an Interaktion (obwohl ich eh nie der große digitale Socializer war), ich bekam Vorschläge für tolle Fotografen im Bereich Natur und Urbanes. Auch das eigene Profil wuchs mit der Zeit, es war irgendwie ein Prozess, eine nette Routine, und vielleicht war ich auch ein bisschen in die Dopaminfalle getappt.
Das ist jetzt alles nicht mehr so. Schon länger nicht. Der Fokus der Plattform ging längst weg vom Foto und hin zum Kurzvideo. Die schnelle Dosis, der Kick, zack, Doppeltap, ein Like, weiterwischen. Ist ja ein bekanntes Muster.
Wachstum für reine Fotoprofile wie das meine gibt es dort nicht mehr, solange ich nicht nach den Regeln des Algorithmus spiele. Und es gibt Werbung, Werbung, Werbung. Instagram ist zur scrollbaren Litfaßsäule verkommen. Litfaßsäulen … Kennt man die überhaupt noch? Das alles ist okay, ich zahl ja nicht dafür, also muss ich nach den Regeln der Plattform spielen und damit leben, dass sich der Fokus dort verschiebt.

Aber dazu gesellt sich seit jüngerer Zeit eine Flut an KI-Fotos Und irgendwie ist da nun bei mir das Fass doch ein wenig übergelaufen. Klar, Bildbearbeitung wurde schon immer betrieben und das ist auch völlig okay. Sie kann schreiend exzessiv sein oder ganz subtil und leise. In Ordnung ist alles, was gefällt.
Und KI-Tools können hilfreich sein: Was ist das Entrauschen mittels KI ein Gamechanger! Seither mache ich mir um hohe ISO-Werte bei wenig Licht kaum mehr Gedanken. Dann wäre da das automatische Maskieren von Bildelementen oder auch mal das Entfernen störender Elemente. Hier ist KI wirklich mein Freund: Spart enorm viel Zeit und ist deutlich sauberer als stundenlange Mausakrobatik.
Doch inzwischen besteht die Plattform – und das ist natürlich ein generelles Problem im Internet – zunehmend aus Fakeinhalten, aus geklautem Zeug und maximaler Effekthascherei. Alles buhlt um maximale Aufmerksamkeit und Reichweite. Man erkennt die unechten Fotos oft (noch) mit bloßem Auge. Zumindest bilde ich mir das ein. Und wo ich es nicht erkenne, bin ich skeptisch.
Und das alles ärgert mich: Die Entwertung dessen, was Menschen mit ihren Händen und ihren Augen erschaffen, hat hier ganz neue Dimensionen angenommen.

Ich will mich aber nicht ärgern. Die Fotografie ist mein Hobby und Hobbys sind Im besten Fall das Gegenteil von Ärger. Ich glaube, ich möchte nicht mehr Teil davon sein. Nicht so richtig jedenfalls. Ich gebe mir noch ein wenig Zeit, höre in mich, schaue, wie es mir damit geht, auf der Plattform zu sein. Wie viel Zeit vergeude ich dort damit, einen Konzern mit Metriken zu meinem Nutzungsverhalten zu füttern? Schauen wir mal …
Auch letztens am Strand habe ich in mich hineingehorcht. Fühlte sich gut an: Der Augenblick, der Sonnenuntergang, Der Spaß am Kreativsein. Und ich horche auch jetzt in mich hinein, während ich diese Zeilen verfasse und Bilder zur Illustration heraussuche. Die ich gemacht habe, die ich bearbeitet habe. Mit KI? Auch das, ja, aber ich habe sie selbst gemacht, mir was dabei gedacht. Ich hatte Spaß am Prozess und ich habe Spaß, während ich diesen Text verfasse. Ganz in Ruhe, unaufgeregt. Und das ist so viel mehr wert als irgendwelche Likes. Und deswegen bin ich jetzt wieder hier.


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